Freitag, 21. März 2025

Josephus, jüdischer Historiker

 Da ich daran denke, die Bücher wegzugeben, versichere ich mich jetzt des Zugangs auf die Quellen im Internet:

Wikisource:

https://de.wikisource.org/wiki/Juedischer_Krieg

https://de.wikisource.org/wiki/J%C3%BCdische_Altert%C3%BCmer Jüdische Altertümer

Auch die Links zu den weiteren Werken findet man über den Wikipedia-Artikel: Josephus (exzellent)

Hauptautorin des Artikels ist Ktiv. Hier ihre "virtuelle Bibliothek". Laut ihrer Benutzerinnenseite befindet sie sich in einer Wikipause, hat aber in der Zeit von 27.2. bis 22.3.25 500 Bearbeitungen vorgenommen.

"Als junger Priester aus der Jerusalemer Oberschicht hatte Josephus eine aktive Rolle im Jüdischen Krieg: Er verteidigte Galiläa im Frühjahr 67 gegen die römische Armee unter Vespasian. In Jotapata geriet er in römische Gefangenschaft. Er prophezeite dem Feldherrn Vespasian dessen künftiges Kaisertum. Als Freigelassener begleitete er Vespasians Sohn Titus in der Endphase des Krieges und wurde so Zeuge der Eroberung von Jerusalem (70 n. Chr.). Mit Titus kam er im folgenden Jahr nach Rom, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Er erhielt das römische Bürgerrecht und lebte fortan von einer kaiserlichen Pension und dem Ertrag seiner Landgüter in Judäa. Die Muße nutzte er zur Abfassung mehrerer Werke in griechischer Sprache: [...] Erhalten blieben die Schriften des Josephus, weil sie schon in der Spätantike von christlichen Autoren als eine Art Nachschlagewerk entdeckt wurden. Bei Josephus fand der Leser des Neuen Testaments nützliche Hintergrundinformationen: Er war der einzige zeitgenössische Autor, der sich detailliert und mit eigener Ortskenntnis über Galiläa äußerte. Die Stadt Jerusalem und der Tempel dort werden ebenfalls genau beschrieben. Josephus erwähnte Johannes den Täufer und wohl auch Jesus von Nazareth – allerdings ist diese Textstelle (das sogenannte Testimonium Flavianum) christlich überarbeitet worden und der ursprüngliche Wortlaut unsicher. Im Bellum beschrieb Josephus ausführlich das Leiden der Menschen im belagerten Jerusalem. Er brach mit den Konventionen der antiken Geschichtsschreibung, die ihn zu Sachlichkeit verpflichteten, um über das Unglück seiner Heimat zu klagen. Seit Origenes deuteten christliche Theologen diese Kriegsberichte als Gottes Strafgericht an den Juden, eine Konsequenz aus der in ihren Augen von Juden verschuldeten Kreuzigung Jesu.

Für die Geschichte Judäas von etwa 200 v. Chr. bis 75 n. Chr. sind Josephus’ Werke die wichtigste antike Quelle. Sein Alleinstellungsmerkmal ist, dass er als antiker Jude über seine Kindheit und Jugend einerseits und seine Rolle im Krieg gegen Rom andererseits Auskunft gibt. Allerdings begegnet der Leser nie direkt dem jungen galiläischen Militärführer, sondern widersprüchlichen Bildern, die ein älterer römischer Bürger von seinem früheren Ich entwarf.

Die neuere Forschung befasst sich damit, wie Josephus im Rom der Flavier als jüdischer Historiker seinen Weg suchte. Die Einwohner Roms waren ständig mit dem Thema Judäa konfrontiert, denn Vespasian und Titus feierten ihren Sieg in einer aufständischen Provinz mit Triumphzug, Münzprägungen und Monumentalarchitektur, als wäre es eine Neueroberung. Josephus stellte sich der Aufgabe, als einer der Besiegten die Geschichte dieses Krieges den Siegern anders zu erzählen. Entstanden ist dabei ein hybrides Werk, das Jüdisches, Griechisches und Römisches verbindet. Das macht Josephus zu einem interessanten Autor für eine postkoloniale Lektüre."

Sonntag, 23. Februar 2025

Michael Sommer: Mordsache Caesar

 Michael Sommer: Mordsache Caesar             Leseprobe bei C.H. Beck Verlag

Michael Sommer über seine Rolle als Ermittler in der Mordsache:

"Der historische Ermittler kann sich nicht auf viele Indizien stützen. Erhalten sind nur ein paar Briefe, die Caesar Mörder wie Brutus, Cassius und Tribus geschrieben haben, meist an Cicero und in denen sie sich, wenn überhaupt, dann nur zwischen den Zeilen über ihre Pläne äußern. Schließlich las der Feind womöglich mit. Der Ermittler ist also auf Zeugenaussagen angewiesen. Sie stammen von Gewährsleuten, die alle samt ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Oft schildern sie ihre eigene Version der Ereignisse, weil sie voreingenommen sind: gegen Caesar, wie Cicero, der Zeitgenosse und genaue Beobachter der römischen Politik; oder für ihn, wie die meisten, die erst zur Feder griffen, nachdem sich Augustus, als Adoptivsohn im Spiel um die Macht durchgesetzt hatte." 

Aus Rezensionen: 

Wilhelm von Sternburg FR 15.10.24:  
hochspannend und gleichzeitig wissenschaftlich valide, unterstützt mit Texten antiker Historiker


Clemens Klünemann NZZ 27.9.24: 
Sommer erzählt im Blick auf die Suche nach den Gründen für den Tyrannenmord die  Geschichte der römischen Republik nach und geht der Frage nach, weshalb es den Mördern nicht gelang, das verfolgte Hauptziel, Erneuerung der Republik zu erreichen.

Fontanefan:
Als Jugendlicher habe ich Mirko Jelusischs Cäsarbiographie durchaus mit Gewinn gelesen. Als ich jetzt dies Buch bekam, schreckte ich vor dem reißerischen Titel zurück. Jetzt ein erzählerisch ausgestaltetes Werk, wo der Erzähler fast alles erfinden muss, was wird das wohl werden. Aber ich wurde positiv enttäuscht. Bis auf kürzere Passagen ist das Buch tatsächlich im Stil einer investigativen Reportagestil geschrieben, und es beginnt mit Tarquinius. Da gibt es jetzt Stoff genug, und es bedarf keiner Räuberpistole; aber die Geschichte wird zugespitzt als Vorgeschichte auf ein Ereignis, ergeht sich also nicht in langen abstrakten Schilderungen des Lebens auf dem Lande und des Aufbaus der römischen Gesellschaft.

Zur Vorgeschichte:
Octavian (Augustus)

Die Darstellung der Vorgeschichte der Verschwörung ist weithin überzeugend. Mich stört allerdings etwas, wie sicher Cäsar an dem erst 17/18-jährigen Octavian "Die Einheit von absoluter Skrupellosigkeit und strategischem Weitblick, diese typisch caesarische Mischung" (S.149) nach dem Bericht des Ermittlers erkannt haben soll. Das sind Eigenschaften, die im Laufe seiner Frontenwechsel zwischen Republik und Triumvirat deutlich wurden, aber doch schwerlich an einem 18-Jährigen erkannt werden können. 
Vielleicht hält sich deshalb der Historiker Sommer, der sonst mit "Aktenvermerken des Historikers" nicht spart, zurück.

Auf dem Weg zur Ermordung

Nach Sommer war Cassius einer der fähigsten, wenn nicht der fähigste Militär beim Partherfeldzug unter Crassus, organisierte erfolgreich den Rückzug des geschlagenen Heeres, operierte unter Pompeius erfolgreich zu Land und zur See gegen Cäsar. Dieser schätzte seine militärischen Qualitäten, begnadigte ihn und sah für Cassius die Provinz Syria vor (zog aber für die Stadtpräfektur Brutus vor), Cassius war offenbar unzufrieden (wie aus den Briefen an Cicero nachträglich herausgelesen werden kann). Aber erst als Cäsar erfolgreich und relativ arrogant aus Spanien zurückkehrte, sah Cassius die Chance, im Kreis der angesehenen Senatoren mehr Bundesgenossen zu finden. (S.175-88)

Marcus Iunius Brutus

Ligarius (S.225-28)

Stichworte zur Geschichte der DDR

Held der Arbeit 

Chronologisch

Personen


Alphabetisch





Seite im Aufbau: wird noch ergänzt und verkürzt

Sonntag, 16. Februar 2025

Wanderungsbewegungen im 11. und 12. Jahrhundert in Europa

 Wenn man sich länger nicht mit dem Mittelalter beschäftigt hat, übersieht man leicht wichtige Vergleichsmöglichkeiten mit der Jetztzeit.




















































"Zentrum einer Villikation war ein Herrenhof (Fronhof oder Haupthof, lat. curtis) mit einem selbst bewirtschafteten Landbesitz (Salland, lat. terra salica). Um diesen Fronhof gruppierten sich kleinere Bauernstellen (Hufen, lat. mansi), die vom Grundherren ausgegeben und von den Bauern selbst bewirtschaftet wurden. Von dieser Unterteilung in Fronhof und abhängige Hufen leitet sich die Bezeichnung zweigeteilte Grundherrschaft ab." (Wikipedia)








Freitag, 3. Januar 2025

Arbeitstiere, Zug- und Haustiere

Dass Tier und Mensch bis weit in die Moderne auch in Deutschland eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft waren, habe ich noch selbst erlebt, doch ist es weithin vergessen. Auch mir selbst ist es so gegangen. 

Human-Animal Studies (Wikipedia)

Zugtier (Wikipedia) 

Arbeitstier (Wikipedia)

Literatur:

Das »Nachpferdezeitalter« – Ende oder Beginn einer Symbiose?

Reinhart Kosselleck: Der Aufbruch in die Moderne oder das Ende des Pferdezeitalters

Hans-Ulrich Schiedt: Auf den Spuren der Arbeitstiere. Eine gemeinsame Geschichte vom ausgehenden 18. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Chronos Verlag, 2024,

Hans-Ulrich Schiedt interviewt von Peter Riesbeck

"Rinder boten erstens in der ersten Agrarrevolution die Möglichkeit, sich aus der Abhängigkeit der einer obrigkeitlichen Herrschaft zu emanzipieren, etwa bei Gespannen. Zweitens lieferten diese Tiere ein großes Reservoir an unerreicht billigen, nebengewerblich erbrachten Transportdienstleistungen. [...]

In absoluten Zahlen hatte es am meisten Pferde und arbeitende Rinder in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs – also fast 100 Jahre nach dem Eisenbahnbau und mehr als 50 Jahre nach dem Aufkommen der ersten Automobile. Bezogen auf die Fläche waren es die Städte, welche die größte Arbeitstierdichte aufwiesen. In diesen sank deren Bedeutung nach dem Ersten Weltkrieg. Ins Auge fällt auch die regional sehr unterschiedliche Verteilung der verschiedenen Arbeitstiere. So gab es Regionen mit eigentlichen Pferde- oder Rinderkulturen, während im Wallis eine eigentliche Maultierkultur gelebt wurde. [...]

In den Quellen sind die Gesellschaftsschichten, in denen die Hunde als Arbeitstiere gehalten wurden, oft mit einer Aufzählung umrissen: die bäuerliche Bevölkerung, die kleineren Produzenten und Händler – Metzger, Bäcker, Gärtner, Krämer, Milch-, Butter- und Käselieferanten oder Hausierer. Zughunde bilden gleichsam eine Sonde, die kleine, sozial mehr oder weniger prekäre Existenzen sichtbar macht."

Peter Riesbeck: Im Buch erwähnen Sie den französischen Historiker Éric Baratay, der für das 19. Jahrhundert festhält: „Das Tier wird als Sub-Proletarier behandelt, auf dem das Wirtschaftswachstum aufbaut.“ Was meint er damit?

Schiedt: Baratay ist einer der wichtigsten Historiker, der Mensch-Tier-Verhältnisse ins Zentrum seiner Studien rückt. Mit seinem Verweis, die Arbeitstiere seien gleichsam ein Subproletariat, bezieht er sich auf die große Bedeutung der Arbeitstiere in den seit dem 18. Jahrhundert ansetzenden wirtschaftlichen Wachstumsprozessen etwa der Agrarmodernisierung, des Städtewachstums und namentlich auch für die Industrialisierung, in deren Zusammenhang der Begriff des Proletariats erst eine Verbreitung fand. Gleichzeitig verortet er mit diesem Begriff die arbeitenden Tiere als sozialgeschichtliche Akteure und als sozial relevante Schicht unserer Arbeitswelt.

Ihre Studien zeigen, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Tier früher viel enger und in mancher Hinsicht kenntnisreicher war…

Die Quellen sind voller Belege, dass die Menschen, die in früheren Zeiten mit den Tieren arbeiteten, sich sehr wohl ebenfalls der Subjektivität ihrer Tiere bewusst waren und in einem eigentlichen partnerschaftlichen Verhältnis mit ihnen lebten und arbeiteten. Die Erfahrung ist zahlreich überliefert, dass nur wer sich des individuellen und artspezifischen Eigensinns und des Eigenwillens der Tiere bewusst war, zusammen mit den Tieren gute Arbeit leisten konnte. Allerdings wurde diese Erfahrung dann doch zuweilen so normativ abgefasst, dass, wenn wir auf die ebenfalls überlieferten Misshandlungen blicken, zwischen den Zeilen klar wird, dass auch oft gegen dieses Gebot verstoßen wurde.

Im Nachlass einer im Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen vertriebenen Familie, die in Holstein gelandet war, fand sich mit der monatlichen Postanweisung für die Pacht der Hinweis des Pferdeknechts, der mit dem Tier in Köln gestrandet war, an die einstigen Besitzer: „Dem Tier geht es gut.“ Würden Sie so weit gehen zu sagen: Arbeitstiere gehörten zur Familie?

Ich könnte etliche Quellen vorlegen, in denen die Arbeitstiere als eigentliche Familienmitglieder erscheinen. Der Forscher Georg Schmidt bemerkte zu bäuerlichen Familienwirtschaften des ausgehenden 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: „Sie pflegten und schmückten das Vieh oft sorgfältiger als die leiblichen Kinder, die noch keinen Anteil am mühsamen Tagewerk hatten. Sie passten ihm ihren eigenen Arbeitsrhythmus an und konnten sich nur schwer von ihm trennen.“

War das Arbeitstier früher also mehr Haus- als Nutztier?

Tatsächlich ist das Arbeitstier in der eingangs unternommenen Präzisierung beides: Mit der Haltung eines Arbeitstiers waren immer auch weitere Nutzungen verbunden, so etwa die Nachzucht, bei Rindern beispielsweise die Milch- und Fleischnutzung, bis hin zur Verwendung der Haut als Leder und der Knochen als Grundstoffe für Leim und Seife. Die Menschen, die mit den Tieren arbeiteten, waren sich dieser Ambivalenz durchaus noch bewusst. Die Tierarbeit beruhte auf einer mensch-tierlichen Zusammenarbeit, die die weitere Verwertung und Nutzung der Tiere nach ihrem Tod miteinschloss.

Nach all der intensiven Befassung: Haben Sie ein Lieblings-Arbeitstier?

Persönlich am nächsten kamen mir vielleicht die Arbeitshunde und die Maultiere, weil in diesen so viele unterschiedliche Facetten der Existenzen greifbar werden, in denen sie gehalten wurden.

Ochs und Esel bilden in der biblischen Erzählung den tierischen Rahmen der Weihnachtsgeschichte. Wofür stehen die Tiere?

In meiner persönlichen Sozialisierung in der Sonntagsschule gehörten Ochs und Esel einfach zur heiligen Familie. In der gedrechselteren christlichen Ikonografik stand der Ochs etwa für das Volk Israel und der Esel für die Heiden.

Und die Schafe?

Sie sind mit ihren Hirten Zeugen des heiligen Moments und die ersten gläubigen Christen. Das sind nicht nur metaphorische oder allegorische Zuschreibungen. Im Stall kommt die Tier- und Menschwelt zusammen; im Stall brechen die Grenzen zwischen Natur und Kultur auf."

https://www.shz.de/deutschland-welt/SH_am_Wochenende/artikel/vergessene-helfer-arbeitstiere-praegten-die-geschichte-48111588  14.12.2024


vgl. auch:

Peter Riesbeck: "Im Stall finden Tier und Mensch zusammen" FR 4./5.1.25:

Riesbeck: Die Schweiz hat ab 1866 Arbeitstier statistisch erfasst. Wann war der Höhepunkt der Arbeitstiere?

Schiedt: In absoluten Zahlen hatte es am meisten Pferde und arbeitende Rinder in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs – also fast 100 Jahre nach dem Eisenbahnbau und mehr als 50 Jahre nach dem Aufkommen der ersten Automobile. Bezogen auf die Fläche waren es die Städte, welche die größte Arbeitstierdichte aufwiesen. In diesen sank deren Bedeutung nach dem Ersten Weltkrieg. Ins Auge fällt auch die regional sehr unterschiedliche Verteilung der verschiedenen Arbeitstiere. So gab es Regionen mit eigentlichen Pferde- oder Rinderkulturen, während im Wallis eine eigentliche Maultierkultur gelebt wurde. 

Peter Riesbeck: Vom Stall in die Stube Die Rheinpfalz 30.11.24


Judenverfolgung

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