Donnerstag, 30. April 2026

1970 - 2007 eine Epoche wachsender Ungleichheit

"[...] Rubin wurde, nachdem er 1995 ins Finanzministerium wechselte, ein weithin bewunderter Minister. Er entschärfte die Finanzkrisen in Mexiko, Asien und Russland, legte einen ausgeglichenen Haushalt vor und führte die Wirtschaft durch die längste Wachstumsphase der Geschichte. [...]" (Packer: Die AbwicklungS.259)

"Es stellte sich bald heraus, dass die Rubinomie nur wenig bewirkt hatte. Die Jahre 1993-1999 bremsten kaum die langfristigen Trends, die sich seit einer Generation abzeichneten. Von den späten Siebzigern bis zum Jahre 2007, eine Zeit, in der Rubin, die zu den wichtigsten Entscheidungenträgern bei Goldmann Sachs, im Weißen Haus, im Finanzministerium und bei der Citigroup gehört hatte, wuchs der Finanzsektor spektakulär, während die Vorschriften und ungeschriebenen Gesetze, die/ihn im Zaum gehalten hatten, hinweggefegt wurden. Finanzkonzerne verdoppelten ihren Anteil am wirtschaftlichen Gesamtgewinn und die Gehälter im Finanzbereich verdoppelten sich in Bezug auf das Gesamteinkommen. Das oberste Prozent der Gesellschaft verdreifachte seinen Anteil am nationalen Einkommen, während des Einkommen der Mittelklasse nur um zwanzig Prozent das Einkommen der unteren Schichten überhaupt nicht stieg. Vierzig Prozent des gesamten Privatvermögens gehörten dem einen obersten Prozent im Jahr 2007, die unteren vier Fünftel besaßen zusammen nur sieben Prozent. Die Jahre, in denen Rubin, einer der mächtigsten Männer der Welt, der Wall Street und der amerikanischen Politik gewesen war, waren ein Zeitalter massiver Umverteilung – einer vererbbare Ungleichheit, die das Land seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gesehen hatte. " (Packer: Die Abwicklung, S. 280/281). 

Freitag, 24. April 2026

Armenischer Völkermord

Armenischer Völkermord (Völkermord an den Armeniern)

 Aurora Mardiganian

"Zum 111. Mal jährt sich 2026 der Beginn der Verbrechen, um deren Begrifflichkeit Historiker:innen heute kaum noch ringen. Trotz massiven Drucks durch die Türkei sind die gut dokumentierten Massaker und Deportationen, denen bis zu anderthalb Millionen Menschen zum Opfer fielen, inzwischen in mehr als 30 Ländern offiziell als Genozid anerkannt. Bei den Debatten geht es um internationale Diplomatie, um geopolitische Gemengelagen, um historische Einordnungen. Um die Geschichten und Traumata der Menschen geht es außerhalb Armeniens und der armenischen Communities im Ausland kaum.

Der Film „Ravished Armenia“ zeigte entsetzliche Gewalttaten, Todesmärsche und eine Kreuzigung junger Mädchen, er wurde zum Blockbuster und spielte mehr als 30 Millionen Dollar ein. Arshaluys, aufgewachsen als Tochter eines Bankiers in der armenischen Stadt Chmshkatzag, eine ausgezeichnete Schülerin, die in Amerika den Namen Aurora annahm, spielte im Film sich selbst. Nicht, weil sie unbedingt Schauspielerin sein wollte, es drängte sie überhaupt nicht ins Rampenlicht. Sondern um vom Unaussprechlichen zu erzählen.[...]" (Aghet, die Katastrophe, FR 23.4.26)

Johannes Lepsius

Armin T. Wegner

Mittwoch, 22. April 2026

Kampf der Bevorrechtigten und der Beherrschten um die Mitsprache bei Entscheidungen

 Ausführlich dokumentiert ist dieser Kampf für die römische Republik, wo die adligen Gracchen als Sprecher für die Plebejer für deren wirtschaftliche und politische Besserstellung eintraten. 

In früheren Zeiten ist der Kampf meist nur zu beobachten, wenn eine eine eindringende fremde Bevölkerung die einheimische unterwarf. Die historisch wichtigsten und weiträumigsten waren die Mongolenherrschaft von China bis nach Europa und später der Kolonialismus und der Imperialismus im späten 19. Jahrhundert sowie der Neokolonialismus im 20. Jh.. 

Exzesse solcher Unterwerfung kamen wiederholt vor. Die am besten dokumentierten sind die Indianerkriege von Anfang des 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, die zur Unterwerfung, Vertreibung oder Ausrottung eines großen Teils der indianischen Urbevölkerung Nordamerikas führten, und der Holocaust im nationalsozialistischen Deutschland, der sich auf die vollständige Vernichtung aller Juden und parallel der Sinti und Roma Europas richtete.

Wie dabei wirtschaftliche Interessen der einheimischen Bevölkerung und machtpolitische der Herrscher auf den verschiedenen Eben der Herrschaft in ein Wechselspiel gerieten, lässt sich am Beispiel des Kampfes der flämischen Zünfte im hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England  (im europäischen Sinne in der Renaissance) beobachten.

Die Darstellung verknüpft Aussagen der KI Gemini mit den besser gesicherten der Wikipedia:

Gemini: "Flandern war das Zentrum der europäischen Tuchherstellung. Die flämischen Städte wie Gent, Brügge und Ypern produzierten die feinsten Stoffe der Welt. Das Problem? Der Rohstoff dafür – die hochwertige Wolle – stammte fast ausschließlich aus England.

  • Die Symbiose: England lieferte die Wolle, Flandern verarbeitete sie, und der Export der Tuche brachte den Reichtum.

  • Die politische Zwickmühle: Während die Wirtschaft nach England blickte, war der Graf von Flandern, Louis de Nevers, ein loyaler Vasall des französischen Königs.

  • Wikipedia "Ludwig I. (1304–1346), zugleich als Ludwig II. Herr von Nevers und Rethel, und somit der mächtigste unter allen Grafen von Flandern, gab 1336 durch seine Härte gegen die nach größerer Freiheit strebenden reichen und industriellen Städte Veranlassung zu dem allgemeinen Bürgeraufstand, den der kühne Genter Brauer Jakob van Artevelde mit englischer Unterstützung leitete. Zugleich wurde der Hass dadurch gesteigert, dass der Graf und der Adel sich an Frankreich, die Städte sich an England anschließen wollten."

2. Der Boykott als Brandbeschleuniger

Als der Hundertjährige Krieg zwischen England (Eduard III.) und Frankreich (Philipp VI.) am Horizont auftauchte, geriet Flandern zwischen die Fronten.

1336 verhängte Eduard III. ein Exportverbot für englische Wolle nach Flandern, um den französischen Vasallen (Louis de Nevers) unter Druck zu setzen. Louis reagierte nicht etwa mit Diplomatie, sondern blieb stur pro-französisch und ließ englische Kaufleute verhaften.

Die Folge für die Zünfte:

  • Massenarbeitslosigkeit: Ohne Wolle standen die Webstühle still.

  • Hungersnot: In den dicht besiedelten Städten drohte der soziale Abstieg.

  • Loyalitätsverlust: Für die Weber und Walker wog das tägliche Brot schwerer als die Lehenstreue ihres Grafen zum französischen König. Louis de Nevers wurde nicht mehr als Beschützer, sondern als wirtschaftlicher Totengräber wahrgenommen.


3. Der Aufstieg des Jakob von Artevelde

In dieser Krisenstimmung trat Jakob von Artevelde auf den Plan. Er war kein einfacher Handwerker, sondern ein reicher Tuchhändler und Mitglied der Genter Oberschicht, der aber das Vertrauen der Zünfte genoss.

Warum er zum Sprecher wurde:

  • Pragmatismus statt Ideologie: Artevelde erkannte, dass Flandern neutral bleiben oder sich England annähern musste, um zu überleben.

  • Organisationstalent: Er einte die großen Städte (Gent, Brügge, Ypern) zu einem Bund, der mächtiger war als der Graf selbst.

  • Die Lösung des Legitimitätsproblems: Da es ein schweres Verbrechen war, gegen den rechtmäßigen Lehnsherrn (den König von Frankreich) zu rebellieren, überzeugte Artevelde die Flamen, Eduard III. einfach als den wahren König von Frankreich anzuerkennen. So blieb man formal "treu", wechselte aber faktisch die Seite.

Kurz gesagt: Louis de Nevers versuchte, französische Politik auf Kosten des flämischen Portemonnaies zu machen. Jakob von Artevelde bot den Zünften genau das an, was der Graf ihnen verwehrte: Wolle, Arbeit und Wohlstand durch ein Bündnis mit England.


Das Ergebnis

Louis de Nevers musste schließlich aus Flandern fliehen, und Jakob von Artevelde regierte Flandern für mehrere Jahre fast wie ein souveräner Fürst ("Der Weise Mann von Gent"). Der Graf hatte sein Volk buchstäblich in die Arme des Feindes getrieben, weil er die wirtschaftliche Realität der Zünfte ignorierte."

Wikipedia: "1337, zu Beginn des Hundertjährigen Krieges, trat Artevelde erstmals öffentlich in Erscheinung, als er den Gentern versprach, gegen die Unterdrückung des Grafen Ludwig I. von Flandern vorzugehen. Ludwig I. hatte durch seine Unterstützung des Anspruchs Philipps VI. auf den französischen Thron den Boykott der Ausfuhr englischer Wolle nach Flandern und der Einfuhr flämischer Tuche nach England heraufbeschworen, der katastrophale Auswirkungen auf die Wirtschaft seines Landes hatte. Am 3. Januar 1338 wählte das größte Kirchspiel Gents Artevelde zum ersten der fünf Hauptmänner (Hooftmannen) oder Kapitäne der Stadt. Zunächst verhandelte er mit Frankreich und England um Neutralität und Bestätigung von Handelsprivilegien. Es gelang ihm, auch Brügge und Ypern für dieses Anliegen zu gewinnen und einen Bund mit Johann III. von Brabant zu schließen. Von Ludwig forderten sie, sich nur flämische Berater zu wählen und gemeinsam mit den drei Städten zu regieren. 1339 floh Graf Ludwig jedoch nach Paris. Die drei Städte bildeten ab 1342 gemeinsam einen permanenten Landesausschuss unter Arteveldes Vorsitz, der damit faktisch die Regentschaft über Flandern übernahm.

Weil sich nach Ludwigs Flucht die Neutralität nun nicht länger halten ließ, bewog Artevelde die Flandern zum Anschluss an Eduard III. von England. Dieser zog Anfang 1340 in Gent ein und wurde dort als König von Frankreich und damit auch als Oberherr von Flandern anerkannt. Eduard III. bestätigte Flandern zahlreiche Privilegien für den Wollhandel und erhielt dafür militärische Unterstützung von Flandern, die ihm den Sieg in der Seeschlacht von Sluis* am 24. Juni 1340 sicherte. Dass die englische Königin Philippa von Hennegau Taufpatin von Arteveldes jüngstem Sohn Philipp wurde, unterstreicht dessen hohes Ansehen beim englischen König. Doch die enge Verbindung mit England ließ Arteveldes Ansehen in Flandern sinken und provozierte blutige Auseinandersetzungen innerhalb Gents. Denn von den englischen Handelsprivilegien profitierten allein die Kaufleute der drei Städte, während Bauern und Adel unter den Auseinandersetzungen mit dem Grafen und Frankreich litten. Die fehlenden Getreideimporte aus der Picardie führten zu steigenden Preisen und damit zu Unzufriedenheit. Im Winter 1342/1343 konnte Artevelde eine Hungersnot nur durch persönliche Intervention bei Eduard III. abwenden, der Getreide aus England einführen ließ.[2] Anfang 1343 klagte der Genter Kaufmann Jan van Steenbeke Artevelde förmlich an, seinen Eid gebrochen zu haben. Darüber kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Arteveldes und Steenbekes Anhängern. Dank der Unterstützung seiner Anhänger in Brügge und Ypern gelang es Artevelde, seine Macht vorerst zu sichern und alle Parteien in der Stadt unter sich zu einen.*Wikipedia:"Für Frankreich stellte das Ergebnis der Schlacht einen schweren Rückschlag dar. Nicht nur war der erst im Monat zuvor gegen Flandern angelaufene Feldzug durch die englischen Invasionstruppen akut gefährdet, sondern auch die strategische Bedrohung der Nordostgrenze erhielt damit eine neue Dimension. Der Verlust eines Großteils der Kanalflotte beraubte Frankreich zudem der Möglichkeit, zukünftigen Truppennachschub der Engländer effektiv zu unterbinden oder den englischen Wollhandel weiterhin massiv zu stören. Innenpolitisch wurde der aus bürgerlichen Kreisen stammende Béhuchet schnell zum Sündenbock für die Niederlage gemacht. In der Folge verstärkten sich ganz allgemein im französischen Adel die Ressentiments gegen hohe bürgerliche Repräsentanten der französischen Bürokratie, was zu der sich in den folgenden Jahrzehnten immer breiter werdenden Kluft zwischen Adel und Drittem Stand beitrug.[6]"(Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Band 1: Trial by Battle. Faber and Faber Limited, London 1990, ISBN 0-571-20095-8, S. 321–329)

1345 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Zünften der Weber und der Walker in Gent, die sich gegenseitig Übervorteilung vorwarfen. Artevelde sah sich gezwungen, für eine Gruppe Partei zu ergreifen und musste dabei in Kauf nehmen, dass die andere Partei Rückhalt bei Graf Ludwig suchte. In dieser Situation griff er wieder auf seine enge Beziehung zu Eduard III. zurück. Er traf sich am 13. Juli 1345 in Sluis mit dem englischen König. In Gent erhoben sich unterdessen Gerüchte, Artevelde wolle den englischen Kronprinzen Eduard an die Stelle des vertriebenen Grafen Ludwig setzen. Man argwöhnte gar, dass er mit einer Truppe englischer Bogenschützen nach Gent käme. Seine Anhänger, die Unruhen befürchteten, riefen ihn zurück. Doch kurz nach seiner Rückkehr wurde er am 17. (oder 24.) Juli 1345 ermordet. Dasselbe Schicksal traf etwa 70 seiner Freunde und Anhänger. Seine Familie wurde ausgewiesen und setzte sich nach England ab. Erst 1360 durften sie zurückkehren.

Sein Sohn Philipp van Artevelde trat im Dezember 1381 an die Spitze der Bürgerschaft von Gent, nachdem sich Brügge und Ypern dem Grafen Ludwig von Male wieder unterworfen hatten. Er ließ zwölf der Hauptanstifter des an seinem Vater verübten Mordes hinrichten, verwarf die von dem Grafen bei einer Zusammenkunft mit zwölf Abgeordneten der Bürgerschaft zu Harelbeke im Februar 1382 vereinbarten Friedensbedingungen, schlug am 3. Mai den Grafen vor Brügge, eroberte die Stadt und bewirkte, dass fast ganz Flandern sich ihm anschloss."

Wikipedia: Am 2. Mai 1382 schlugen die Aufständischen unter seiner Führung Ludwigs Heer vernichtend. Brügge und Ypern schlossen sich Philipp van Artevelde an. Der Graf floh zu seinem Schwiegersohn, dem französischen König Karl VI. von Frankreich. Philipp van Artevelde wandte sich an England, dessen jugendlicher König Richard II. ihm militärische Unterstützung zusagte. Die verbündeten Heere von Frankreich und Burgund erreichten Flandern jedoch schneller.* Philipp van Artevelde versuchte vergeblich, die Gegner durch die Zerstörung einer Brücke über die Leie aufzuhalten, in der Hoffnung, dass Hunger und Kälte die Gegner schwächen würde. In der Schlacht bei Roosebeke 1382 erlitten die Aufständischen eine entscheidende Niederlage. Karl VI. konnte die flämische Armee aufreiben, Philipp van Artevelde selbst erstickte bei den Kämpfen inmitten seiner von den Franzosen getöteten Soldaten. Er fiel in der Schlacht bei Roosebeke gegen die Franzosen am 27. November 1382.[3]"

* Wikipedia: "Das englische Expeditionsheer musste erst aufgestellt werden, während das französische bereits einsatzbereit war. Außerdem war es in Frankreich, ermutigt durch den flämischen Erfolg, ebenfalls zu einzelnen Revolten gekommen, so dass der französische König im Falle einer Niederlage um seine Macht fürchten musste. Unterstützt wurde er von dem Herzog Philip von Burgund, der die einzige Nachkommin des flandrischen Grafen geheiratet hatte und somit der zukünftige Alleinerbe der Grafschaft sein würde.

Die Vorbereitungen zogen sich bis ins Jahr 1382 hin und der Konflikt bekam auch eine religiöse Note dadurch, dass Frankreich und Burgund den Gegenpapst in Avignon unterstützten, während die Flamen und die Engländer auf Seiten des (regulären) römischen Papstes Urban VI. standen. [...] Philip van Artevelde wurde während der Schlacht getötet und Flandern geplündert. Die Stadt Gent konnte sich zwar behaupten, fiel aber schließlich durch Bestechung an den Herzog von Burgund. Philip von Burgund erhielt so die Herrschaft über ganz Flandern."

Zu der Entwicklung im gesamten Zeitalter der Renaissance schreibt S. Harrison Thompson: "Das Zeitalter der Renaissance" (S.136-175); Zitat: "Immer wieder stoßen wir im Verlauf der Geschichte auf Auseinandersetzungen, in denen das gemeine Volk um seine natürlichen Menschenrechte kämpft. Im 14. Jahrhundert wurde dieser Kampf zu einem Phänomen, das überall in Europa auftrat und alle Grenzen des Klimas, der Rasse und der Sprache übersprang. In gewisser Hinsicht war er das wichtigste Ereignis dieser ganzen Epoche. Man darf wohl behaupten, daß die folgenden Jahrhunderte nie als Neuzeit hätten bezeichnet werden können, wenn es damals in den betroffenen Gebieten nicht zu der Aufstandsbewegung gekommen wäre. Mögen die charakteristischen Züge der sozialen und wirtschaftlichen Revolten in den verschiedenen Ländern noch so verschieden gewesen sein, so steht doch einwandfrei fest, daß es sich im Grunde stets um Erhebungen gegen unvernünftige und autoritäre Privilegien gehandelt hat. Auch das ist Renaissance: ein neuer Hunger nach Freiheit und die Vision einer glücklichen Zukunft." (S. 175) 

Inwiefern im Zusammenhang mit dem Kolonialismus sich ein Privileg der "weißen Rasse" entwickelt hat, untersucht die Kritische Weißseinsforschung. (Bei der Kritik dieses Privilegs kommt diese Forschung freilich nicht umhin, das Weißsein als ein Merkmal einer - fiktiven - weißen Rasse zu behandeln. Insofern liegt bei dieser Umkehrung des Rassismus wiederum eine Art Rassismus vor. - Fontanefan)

In dieser Darstellung fehlt bisher die Sklaverei. In der Antike begegnen wir ihr als eine als selbstverständlich angenommene Erscheinung. Aristoteles rechnet die Sklaven - weil sie nicht das Bedürfnis nach Freiheit hätten - nicht als Menschen. In vorgeschichtlicher Zeit, wo schriftliche Zeugnisse noch fehlen, wurden aber so gewaltige Bauwerke errichtet, dass dafür so viele Arbeiter nötig waren, dass Freiwilligkeit  aller Beteiligten unglaubwürdig wäre. In geschichtlicher Zeit ist die Versklavung von Besiegten so selbstverständlich, dass sie sicher auch vorher schon üblich war. Welche Rolle Sklavenhandel spielte (sowohl bei Arbeitssklaven wie bei Sexsklavinnen), ist für die frühe Zeit nicht untersucht. Sicher waren die Rollen nicht scharf nach Geschlechtern getrennt, aber beim historischen arabischen Sklavenhandel waren Frauen gefragter als beim transatlantischen Sklavenhandel.

So viel Sklaverei und Sklavenhandel es in der Menschheitsgeschichte gegeben haben mag. Der transatlantische Sklavenhandel, wo in einzelnen Gegenden in einzelnen Regionen (nachzuvollziehen bei Inseln wie z.B. Haiti) die gesamte indigene Bevölkerung ausgerottet wurde und durch aus Afrika eingeführte schwarze Sklaven ersetzt wurde, dürfte einmalig sein. So ist das Phänomen entstanden, dass in Nordamerika inzwischen weit mehr Menschen afrikanischen Ursprungs leben als indigene Amerikaner, dagegen in Südamerika, wo es zu einer größeren Mischung zwischen Eingewanderten und Importierten kam, ein weit größerer Teil der indigenen Bevölkerung überlebt hat. 

Der Unterschied zwischen dem Kampf zwischen Privilegierten und Unterprivilegierten und der Sklaverei ist allerdings, dass es bei der Sklaverei (trotz des Phänomens der Freigelassenen) auf der Seite der Benachteiligten weit mehr fließende Übergänge gab, so dass Bauern und Stadtbevölkerung, Handwerker, Kaufleute, Patrizier und Adelige wechselnd (mal Reiche gegen Arme, mal Adlige gegen Nicht-Adelige Bündnisse eingehen konnten, während Sklaven nur individuell in andere Schichten aufsteigen konnten. Der Bereich der Sklavenhaltung ist aber so umfangreich, dass hier nur andeutungsweise davon gesprochen werden kann. 

Mit Gewinn habe ich die Seiten S.330-370 in S. Harrison Thompson: "Das Zeitalter der Renaissance" gelesen, die sich mit den Kriegen Frankreichs in Italien und den Kriegen Frankreichs gegen Heinrich VII. befassen, und im Abschnitt Am Vorabend der Reformation + Luther und das Luthertum (S.347-370) gelesen, die sich mit Erasmus u. Luther befassen. - grüne Unterstreichungen).

Montag, 13. April 2026

Wohnraum pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland

 Die Entwicklung der Wohnfläche pro Kopf in Deutschland spiegelt den enormen gesellschaftlichen Wandel wider – vom extremen Platzmangel der Industrialisierung bis hin zum heutigen Standard.

Hier ist die Übersicht der durchschnittlichen Wohnfläche pro Person für die angefragten Zeiträume:

Zeitraum; Wohnfläche pro Kopf (ca.); Kontext & Lebensumstände

Ende 19. Jhd. (um 1900)10 – 15 m²Massive Überbelegung in Mietskasernen; "Trockenwohner" und Schlafgänger waren üblich.

1920er Jahre15 – 20 m²Erste Bemühungen des sozialen Wohnungsbaus (Neues Bauen), aber weiterhin große Not nach dem 1. Weltkrieg.

1950er Jahre15 – 22 m²Wohnraummangel durch Kriegszerstörung und Flucht; Wiederaufbau konzentrierte sich auf kleine, effiziente Einheiten.

1990er Jahre35 – 39 m²Wohlstandsgewinn und Trend zu kleineren Haushalten (Singles); Anstieg der Ansprüche.

2020er Jahre47 – 48 m²Aktueller Höchststand; getrieben durch alternde Bevölkerung (alleinlebende Senioren) und immer größere Neubauten.

(Die Wikipedia hat geholfen, zu erklären, was die KI notgedrungen sehr kurz gefasst hat.)

Mittwoch, 8. April 2026

Wie war es, in den 1970-1980ern Hausfrau zu sein?

 https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein?

Elli, 70 Jahre alt: "Von dem Tag an, an dem ich geheiratet habe, war ich alleine. Mein Mann hat sein Leben weitergelebt, hat seine Freunde getroffen, war Schlittschuhlaufen – und ich saß alleine zuhause, in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet, erst mit dickem Bauch und dann mit Baby. Das war im Winter 76/77. Ich war zwanzig Jahre alt, als im Januar 1977 mein Sohn auf die Welt kam.

Mein Mann und ich haben uns kennengelernt, da war ich sechzehn oder siebzehn. Er hatte einen Hund und ich durfte keinen haben – es war ein knuddeliger kleiner Mischling mit einem Kopf wie ein Teddybär. Ich glaube, nur deswegen sind wir zusammengekommen. Der Hund machte ihn interessant, aber auch, dass er aus einer ganz anderen sozialen Schicht kam: Sein Vater war Arbeiter, meiner Arzt. Das hat mich fasziniert. Eigentlich haben wir nie zusammengepasst. Aber ich wurde schwanger und daher haben wir geheiratet. So war das damals. Am Anfang habe ich auch noch an die Beziehung geglaubt.[...] Mein Sohn hatte eine schwere körperliche Behinderung, als er geboren wurde. Er hatte eine angeborene Störung des Hüftgelenks. Das konnte behandelt werden, aber bis er etwa sieben war, war unser Alltag geprägt von Klinikaufenthalten und Therapien. Wir waren jedes Jahr wochen-, teils monatelang im Krankenhaus, er wurde mehrfach operiert und lag monatelang in einem Apparat, der beide Hüftgelenke gebeugt und abgespreizt hielt. Dadurch wurde erreicht, dass die Hüftgelenkpfannen sich ausbilden. Durch die vielen Behandlungen hatte er Folgeerkrankungen, etwa Nierensteine.  Mein Mann hat das überhaupt nicht verkraftet und sich in seine Arbeit geflüchtet. [...] Auch von meiner Rente kann ich heute gut leben. Was erstaunlich ist, da ich ja eigentlich mal dachte, dass ich nie arbeiten würde. Eine Zeit lang hatte ich sogar meinen absoluten Traumjob: 17 Jahre lang habe ich als freie Journalistin gearbeitet. Das war die absolute Erfüllung. Als ich wegen der Medienkrise keine Aufträge mehr bekam, bin ich schweren Herzens in meinen alten Job als Berufsschullehrerin zurückgekehrt. Dafür bin ich aufs Land umgezogen. Das habe ich bis zu meiner Rente durchgezogen. Dann war ich zum ersten Mal völlig frei: Kein Mann, kein Kind, kein Job.

Theresia, 84 Jahre alt [...]

Gisa, 82 Jahre alt [...]"  https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein?

Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann



Die Kinder des Monsieur Mathieu  (Film dter Wikipediaartikel zu Les Choristes)

Les Choristes (Filmschluss)



Thomas Beck

Thomas Beck ist ein engagierter Regionalhistoriker und Autor, der sich vor allem um die Aufarbeitung der Lokalgeschichte im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis verdient gemacht hat. Er ist insbesondere für seine detaillierten Beiträge in den Eschweger Geschichtsblättern und der regionalen Presse (wie der Werra-Rundschau) bekannt.

1. Regionaler Fokus: Eschwege und Hoheneiche

Becks Forschung konzentriert sich stark auf die Stadt Eschwege und umliegende Orte wie Hoheneiche. Er verknüpft dabei oft Familienschicksale mit der allgemeinen Zeitgeschichte.

  • Industriegeschichte: Ein aktuelleres Werk von ihm befasst sich mit der Firmengeschichte von "Rollmann und Rose" in Hoheneiche, einer für die Region bedeutenden Fabrik.

  • Stadtgeschichte: Er schreibt über markante Orte, wie etwa die Bunkeranlagen unter dem Schulberg in Eschwege und deren Bedeutung während des Zweiten Weltkriegs.

2. Aufarbeitung der NS-Zeit

Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Nordhessen.

  • Euthanasie-Verbrechen: Zusammen mit Erhard Gerwien erforschte er die Schicksale jüdischer Psychiatriepatienten aus der Region Werra-Meißner und deren Ermordung im Zuge der NS-"Euthanasie".

  • Jüdisches Leben: Er hat die Lebenswege der Kaufmannsfamilie Löbenstein und des jüdischen Soldaten Moritz Loewenstein dokumentiert, um die Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Eschwege wachzuhalten.

3. Wichtige Publikationsorgane

Thomas Beck veröffentlicht seine Erkenntnisse regelmäßig in Fachzeitschriften und Jahrbüchern des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (VHG):

  • Eschweger Geschichtsblätter: Hier finden sich zahlreiche Aufsätze zu Themen wie den "Eschweger Hochhuths" (Verwandtschaft des Dramatikers Rolf Hochhuth) oder kriegshistorischen Aspekten.

  • Rund um den Alheimer: Auch für diese Zeitschrift, die sich mit der Geschichte des ehemaligen Kreises Rotenburg befasst, hat er Beiträge verfasst.

Beck gilt als Forscher, der "Geschichte von unten" schreibt. Das bedeutet, er nutzt oft Primärquellen wie Katasterbeschreibungen, alte Firmenunterlagen oder persönliche Briefe, um die großen historischen Ereignisse auf die lokale Ebene herunterzubrechen. Er arbeitet eng mit dem Geschichtsverein Eschwege zusammen und trägt dazu bei, dass die Regionalgeschichte auch für Laien durch Zeitungsartikel und Vorträge greifbar bleibt.

"... gestrickt für die ganze Familie" von Thomas Beck : Das Buch befasst sich mit dem Schicksal jüdischer Unternehmerfamilien vor dem Hintergrund der Firmengeschichte von Rollmann & Rose (einem ehemaligen Textilunternehmen in Eschwege) und thematisiert Beispiele von „Kaufmannsehre“.

  • Hintergrund: Thomas Beck ist Autor von lokalgeschichtlichen Beiträgen, die sich oft mit der Geschichte der Region und jüdischem Leben in Deutschland auseinandersetzen. Das Werk ist unter anderem im Rahmen der Eschweger Geschichtsblätter erschienen.


Es scheint, dass du dich für die Industriegeschichte im Sauerland interessierst, speziell im Kontext der Drahtindustrie. Das Buch, das du suchst, trägt den Titel:

"Rollmann & Rose: Die Geschichte einer märkischen Drahtzieherei"

Autor: Thomas Beck Erscheinungsjahr: 1991 (veröffentlicht im Auftrag der Firma Rollmann & Rose)


Worum geht es in dem Buch?

Thomas Beck beschreibt darin detailliert den Aufstieg und die Entwicklung des Unternehmens Rollmann & Rose mit Sitz in Iserlohn.

  • Wirtschaftsgeschichte: Es beleuchtet den Übergang vom handwerklichen Betrieb zur industriellen Fertigung im 19. und 20. Jahrhundert.

  • Regionale Bedeutung: Das Werk ist eine wichtige Quelle für die Sozial- und Technikgeschichte des märkischen Sauerlandes, einer Region, die über Jahrhunderte durch die Metallverarbeitung geprägt wurde.

  • Unternehmensfokus: Es geht nicht nur um nackte Zahlen, sondern auch um die Gründerfamilien und die Arbeitsbedingungen in der Drahtzieherei.

Warum ist es heute relevant?

Für Historiker oder Heimatforscher ist das Buch deshalb spannend, weil Rollmann & Rose exemplarisch für den "Mittelstand" steht, der das Rückgrat der deutschen Industrie bildet. Es zeigt, wie lokale Ressourcen (Wasserfallenergie, Erzvorkommen) zur Entstehung global agierender Spezialbetriebe führten.

Hinweis zur Beschaffung: Da es sich um eine Festschrift bzw. eine unternehmenshistorische Publikation handelt, ist es im regulären Buchhandel meist vergriffen. Du findest es am ehesten in Antiquariaten, über Plattformen wie ZVAB oder AbeBooks sowie in regionalen Bibliotheken (z. B. der Stadtbücherei Iserlohn oder der Universitätsbibliothek Dortmund).

Fahrendes Volk (Entwurf)

 Als ich nach der Bedeutung des Wortes Volksgruppe im Zusammenhang mit Sinti und Roma gefragt wurde, befragte ich eine KI. Als ich in den beiden Wikipediaartikeln zu Sinti und Roma so ausführlich wie noch nie in meinem Leben über "Zigeuner" informiert wurde und erfuhr, dass gegenwärtig wohl 95% aller Sinti und Roma sesshaft sind, habe ich noch nicht an den Ausdruck Fahrendes Volk (Erläuterung durch eine KIgedacht. Doch dann fiel mir ein, dass die beiden bedeutendsten Dichter des Mittelalters Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach fahrende Sänger waren und dass Wolfram mit seiner Aussage "Schildesamte ist min Art" nicht nur auf seine Stellung als Ritter hinweisen wollte, sondern auch darauf, dass ritterbürtig sei. (Wikipedia Er selbst bezeichnete sich als „ritterbürtig“") Doch Wikipedia "Es ist bekannt, dass Wolfram in seinem Leben an zahlreichen Höfen Dienst tat. Mit Sicherheit stand er in Verbindung mit dem Grafen von Wertheim sowie dem Landgrafen Hermann I. von Thüringen." Und Walther war wohl nicht adlig, weil das von der Vogelweide nicht auf eine Burg oder zumindest eine Gemeinde (wie bei Eschenbach) verweist. Ein Lehen erhielt er erst spät: "Erst von Friedrich [Friedrich II.], aber noch vor dessen Kaiserkrönung (1220) erhielt Walther ein Lehen, das ihn vom Zwang befreite, kurzfristig wechselnde Engagements suchen und das Leben eines fahrenden Sängers führen zu müssen (Lachmann 28,31; „jetzt fürchte ich nicht mehr den Februar an den Zehen“). Walther sagt nicht, wo sich das Lehen befand, und ob es sich dabei überhaupt um die Vergabe von Land oder vielleicht ein nicht mit Landbesitz verbundenes, sogenanntes 'Zinslehen' handelte." (Wikipedia
Natürlich gehört zu Fahrendes Volk auch Lenaus Gedicht (Gesang leider nicht mit korrektem Wortlaut, aber ohne vorherige Werbung, zur Entstehung)

Montag, 6. April 2026

Frühe Forderungen von Grünen

Als Zusammenstellung von historischen Positionen von Grünen (nicht immer der Grünen als Gesamtheit) interessant. 

Keine Truppenübungsplätze mehr (1980er Jahre)
Für Kriegsdienstverweigerung (1980er Jahre)
Für Multi-Kulti I (1980er Jahre)
Gefängnisse abschaffen (1982)
"Schusswaffenlose" Polizei (1980/1985)
Auflösung aller kasernierten Polizeieinheiten, inklusive Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz (1987)
Freigabe von Cannabisbesitz (1987)
Ladendiebstahl wie Mundraub beurteilen (1987)
Auflösung der Verfassungsschutzämter (1987)
Solidarität mit jenen, "deren Verweigerung und Widerstand die Regierungen und ihre Parlamentsmehrheiten so fürchten" (1987)
Streichung des gesamten politischen Strafrechts (1989)
Weitgehender Stellenabbau bei der Polizei (1989)
Obrigkeitsstaatliche Tatbestände des Landfriedensbruch abschaffen (1989)
Einseitige Abrüstung (1989)
Vorbehaltlose Anerkennung der DDR und Verzicht auf Wiedervereinigungsoptionen (1989)
30-Stunden-Woche (1989)
Verdopplung der Sozialhilfe (1989)
Urlaubsgeld für Sozialhilfeempfänger (1989)
Anhebung der Gewerbesteuer und Erhöhung der Staatsverschuldung (1989)
Abschaffung der Gefängnisse (1989)
Offene Grenzen (1990)
Für Multikulti II (1990)
Mülltrennung (1994)
Fünf D-Mark je Liter Benzin (1998)
Ökosteuer (1999)
Einführung Dosenpfand (2000)
Entkriminalisierung von Bagatelldelikten (2002)
"Gender Mainstream": Unser biologisches Geschlecht soll durch ein soziales und psychologisches Geschlecht ersetzt werden. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen keine Rolle mehr spielen. Kurz: Unsere unterschiedlichen Geschlechter sollen "gleich" gemacht werden. Schluss mit Werten, Traditionen, Kulturen und religiösen Überzeugungen, und das alles für einen geschlechtsneutralen "neuen" Menschen. Aus "Mütter" könnte dann "die Elter", aus "Vater" "der Elter" und aus "Eltern" "das Elter" werden. (seit 2002)
Legalisierung weicher Drogen wie Haschisch und Marihuana (2002)
Legalisierung von Prostitution (2002)
Homo-Ehe (2002)
EU-Beitritt der Türkei (2004)
Deutschland als ein Einwanderungsland (2005)
Mehr Türkischunterricht an deutschen Schulen (2008)
Tempolimit auf Autobahnen (2011)
Ökostrom (2011)
Abschaffung der Gymnasien (2011)
Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent (2011)
Einheitsschule (2012)
Mindestlohn von 8,50 Euro (2013)
Bürgerversicherung für alle (2013)
Kapitalerträge wie Arbeitseinkommen versteuern (2013)
Schrittweise Abschaffung des Ehegattensplittings (2013)
Mini-Jobs schon ab 100 Euro statt wie bisher ab 450 Euro besteuern (2013)
"Veggie Day", ein fleischlose Tag in der Woche (2013)
Für straffreie Abtreibungen (2014)
Kostenfreie Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen (2014)
Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und gemeinschaftliches Adoptionsrecht (2014)
Kiffen erlauben, Marihuana besteuern (2014)
Entschädigung russischer Kriegsgefangener (2014)
Willkommenskultur statt Abschottung (2014)
Pille "danach" rezeptfrei (2015)
Schuldenschnitt für Griechenland (2015)
Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen (2015)

Quelle: Die Grünen von Michael Grandt, 1. Auflage Juni 2015, Seite 21-23.

Ergänzend dazu eine KI:

"In den frühen Jahren nach der Gründung der Partei „Die Grünen“ (Anfang der 1980er Jahre) gab es innerhalb der Partei Strömungen, die – eingebettet in eine damals verbreitete, radikale Kritik an gesellschaftlichen Normen und autoritären Strukturen – Forderungen nach einer Entkriminalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Kindern stellten.

Hier sind die wichtigsten Hintergründe zu dieser Thematik:

Historischer Kontext

In den 1970er und 1980er Jahren gab es in Teilen der westdeutschen Gesellschaft, insbesondere in linksliberalen und alternativ-bewegten Milieus, eine Debatte, die die Sexualität von Kindern und Jugendlichen als unterdrückt ansah und „Befreiung“ forderte. In diesem Umfeld gelang es pädophilen Aktivistengruppen, in verschiedenen politischen Parteien und Organisationen Fuß zu fassen, um ihre Forderungen politisch zu artikulieren. Auch bei den Grünen gab es Arbeitsgruppen, die entsprechende Positionen vertraten und teilweise in Parteiprogrammen oder Thesenpapieren (auf lokaler oder regionaler Ebene) verankert sahen, etwa die Forderung nach der Streichung des § 176 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern).

Aufarbeitung durch die Partei

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hat dieses Kapitel ihrer Geschichte in den letzten Jahren intensiv aufgearbeitet. Wesentliche Erkenntnisse dieser Aufarbeitung sind:

  • Keine offizielle Parteilinie: Es wurde nie ein offizielles, bundesweites Grundsatzprogramm verabschiedet, das sexuellen Kindesmissbrauch legitimierte. Dennoch wurden pädophile Forderungen in der Anfangsphase von einigen Funktionsträgern toleriert oder in interne Diskussionsprozesse integriert, was aus heutiger Sicht als schwerer Fehler und Versäumnis gewertet wird.

  • Wissenschaftliche Untersuchung: Um die Hintergründe und den Einfluss pädophiler Strömungen auf die Partei zu klären, gab der Bundesvorstand der Grünen 2013 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag. Der Politikwissenschaftler Professor Franz Walter legte 2014 den Abschlussbericht vor, der bestätigte, dass die Partei in ihren Anfangsjahren pädophile Forderungen nicht konsequent zurückgewiesen und damit Pädophilen teilweise eine politische Bühne geboten hatte.

  • Entschuldigung und Distanzierung: Führende Politikerinnen und Politiker der Partei haben sich mehrfach öffentlich bei den Opfern für dieses historische Versagen entschuldigt und sich unmissverständlich von den damaligen Debatten distanziert. Die Partei betont heute, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die konsequente Bekämpfung von sexualisierter Gewalt zentrale Bestandteile ihrer politischen Arbeit sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es innerhalb der Partei in den 1980er Jahren Strömungen und informelle oder regionale Arbeitsgruppen gab, die solche Forderungen erhoben, diese jedoch nie Teil einer anerkannten, offiziellen Programmatik der gesamten Partei waren. Die Partei hat diese Vergangenheit in den letzten Jahren detailliert aufgearbeitet und sich davon klar distanziert."

Fingerabdruck

 https://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck#Geschichte

Sonntag, 5. April 2026

Strafgefangene

Zur Behandlung des aktuellen Themas: https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/04/angela-davis-und-der-einsatz-von.html

Strafgefangene als Bettler im Straßenbild

Aus Italien berichtet Karl Philipp Moritz um 1788

Als ich von diesem Spaziergange wieder in die Stadt zu­rückkehrte, begegneten mir eine Anzahl Galeerensklaven, welche Tonnen trugen; ich hörte ihre Ketten schon von ferne klirren und dachte mir alles Schreckliche ihres Zustandes, welches bald verschwand, da ich näher kam und sah, wie sie mit den Leuten in der Stadt vertraulich sprachen, von Vorbeigehenden angeredet wurden und sich mit ihnen grüß­ten, gleichsam als ob sie gar nicht von der Gesellschaft der übrigen ausgeschlossen wären und in ihrer Funktion mit zu dem Staate gehörten.

Aus Lublin in Polen berichtet für 1812 der sächsische Rittmeister Winkler, Teilnehmer des Russlandfeldzugs Napoleons

Der stete Anblick mehrerer hier in eine Strafanstalt eingebrachten, und mit Beinschellen und schweren Ketten belasteter Verbrecher, macht auf den Fremden einen widrigen Eindruck. Da die Säuberung der Straßen und die Wegräumung des Unraths ein Hauptgeschäft ihrer öffentlichen Arbeit ausmacht, so wird das Ohr fast in allen Straßen durch ihr Kettengeraßel beleidigt, und der Vorübergehende durch zudringliche Bettelung von ihnen in Anspruch genommen.

Ferdinand Gregorovius berichtet 1858 aus Italien

Ich erinnere mich nicht, in Alatri von Bettlern angesprochen worden zu sein, wie man sie überall in der Sabina und im Albanergebirge scharenweise nach sich zieht. Doch dort betteln aus ihrem Kerker heraus Gefangene – ein wunderlicher Anblick, den man übrigens in fast allen römischen Orten haben kann. Während unsere strengen Systeme des Gefängniswesens darauf hinzielen, den Schuldigen soviel als möglich von der Welt abzusondern, ja ihn wie einen verpesteten Gegenstand in die Zelle einzumauern, gönnt ihm hier die Toleranz des Südens wieder einen zu großen Spielraum. Ich hörte oft Gefangene in römischen Städten die heitersten Lieder hinter ihren Gittern singen, in Ritornellen denen auf der Straße antworten, oder ich sah sie mit der Gebärdensprache zum Fenster hinaus Geschichten erzählen, die der Fremde freilich nicht versteht. Nun aber ist ihnen selbst das Betteln noch im Kerker gestattet. Diese Verbrecher, oft nur um geringe Vergehen bestrafte Nichtstuer, strecken ein langes Rohr aus dem Gitter heraus, an welchem mittels eines Fadens ein leinenes Beutelchen befestigt ist. Zwei, drei, vier solcher Rohrstangen sieht man zu gleicher Zeit in Bewegung, und die sie herausstrecken, gleichen den Anglern, welche mit der größten Seelenruhe ihr Rohr in den Händen halten, um es heraufzuziehen, wenn der Fisch angebissen hat. So baumeln dort die leeren Beutelchen in der Luft hin und her; geht nun jemand an dem Gefängnis vorüber, so senkt sich Angelrohr und Beutel ihm vor der Nase nieder, und der Gefangene bittet um der Madonna willen, ihm ein Geldstück hineinzulegen. Er ist nicht minder vergnügt, wenn man ihm eine Zigarre hineinsteckt, die er dann mit Wohlbehagen hinter den Eisenstäben rauchen wird; hat er aber ein paar Bajocci erhascht, so läßt er sich Wein holen, oder was ihm sonst wünschenswert erscheint. Ich konnte diese klassische Art zu betteln niemals ohne Heiterkeit betrachten und mußte mich stets der Sage erinnern, welche von Belisar erzählt, daß er aus dem Fenster seines Turms die Vorübergehenden angebettelt habe – wenigstens zeigt diese Fabel, daß jene Toleranz sehr alt ist, und vielleicht streckten die Gefangenen aus den Kerkern schon in alten Römerzeiten solche Rohrangeln hervor.


Veröffentlichungen der Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl/Bensheim:

Die Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) Bensheim ist ein schulisches Projekt, das sich im Sinne der Geschwister Scholl...