Mittwoch, 8. April 2026

Wie war es, in den 1970-1980ern Hausfrau zu sein?

 https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein?

Elli, 70 Jahre alt: "Von dem Tag an, an dem ich geheiratet habe, war ich alleine. Mein Mann hat sein Leben weitergelebt, hat seine Freunde getroffen, war Schlittschuhlaufen – und ich saß alleine zuhause, in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet, erst mit dickem Bauch und dann mit Baby. Das war im Winter 76/77. Ich war zwanzig Jahre alt, als im Januar 1977 mein Sohn auf die Welt kam.

Mein Mann und ich haben uns kennengelernt, da war ich sechzehn oder siebzehn. Er hatte einen Hund und ich durfte keinen haben – es war ein knuddeliger kleiner Mischling mit einem Kopf wie ein Teddybär. Ich glaube, nur deswegen sind wir zusammengekommen. Der Hund machte ihn interessant, aber auch, dass er aus einer ganz anderen sozialen Schicht kam: Sein Vater war Arbeiter, meiner Arzt. Das hat mich fasziniert. Eigentlich haben wir nie zusammengepasst. Aber ich wurde schwanger und daher haben wir geheiratet. So war das damals. Am Anfang habe ich auch noch an die Beziehung geglaubt.[...] Mein Sohn hatte eine schwere körperliche Behinderung, als er geboren wurde. Er hatte eine angeborene Störung des Hüftgelenks. Das konnte behandelt werden, aber bis er etwa sieben war, war unser Alltag geprägt von Klinikaufenthalten und Therapien. Wir waren jedes Jahr wochen-, teils monatelang im Krankenhaus, er wurde mehrfach operiert und lag monatelang in einem Apparat, der beide Hüftgelenke gebeugt und abgespreizt hielt. Dadurch wurde erreicht, dass die Hüftgelenkpfannen sich ausbilden. Durch die vielen Behandlungen hatte er Folgeerkrankungen, etwa Nierensteine.  Mein Mann hat das überhaupt nicht verkraftet und sich in seine Arbeit geflüchtet. [...] Auch von meiner Rente kann ich heute gut leben. Was erstaunlich ist, da ich ja eigentlich mal dachte, dass ich nie arbeiten würde. Eine Zeit lang hatte ich sogar meinen absoluten Traumjob: 17 Jahre lang habe ich als freie Journalistin gearbeitet. Das war die absolute Erfüllung. Als ich wegen der Medienkrise keine Aufträge mehr bekam, bin ich schweren Herzens in meinen alten Job als Berufsschullehrerin zurückgekehrt. Dafür bin ich aufs Land umgezogen. Das habe ich bis zu meiner Rente durchgezogen. Dann war ich zum ersten Mal völlig frei: Kein Mann, kein Kind, kein Job.

Theresia, 84 Jahre alt [...]

Gisa, 82 Jahre alt [...]"  https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein?

Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann



Die Kinder des Monsieur Mathieu  (Film dter Wikipediaartikel zu Les Choristes)

Les Choristes (Filmschluss)



Thomas Beck ist ein engagierter Regionalhistoriker und Autor, der sich vor allem um die Aufarbeitung der Lokalgeschichte im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis verdient gemacht hat. Er ist insbesondere für seine detaillierten Beiträge in den Eschweger Geschichtsblättern und der regionalen Presse (wie der Werra-Rundschau) bekannt.

1. Regionaler Fokus: Eschwege und Hoheneiche

Becks Forschung konzentriert sich stark auf die Stadt Eschwege und umliegende Orte wie Hoheneiche. Er verknüpft dabei oft Familienschicksale mit der allgemeinen Zeitgeschichte.

  • Industriegeschichte: Ein aktuelleres Werk von ihm befasst sich mit der Firmengeschichte von "Rollmann und Rose" in Hoheneiche, einer für die Region bedeutenden Fabrik.

  • Stadtgeschichte: Er schreibt über markante Orte, wie etwa die Bunkeranlagen unter dem Schulberg in Eschwege und deren Bedeutung während des Zweiten Weltkriegs.

2. Aufarbeitung der NS-Zeit

Ein wesentlicher Teil seiner Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Nordhessen.

  • Euthanasie-Verbrechen: Zusammen mit Erhard Gerwien erforschte er die Schicksale jüdischer Psychiatriepatienten aus der Region Werra-Meißner und deren Ermordung im Zuge der NS-"Euthanasie".

  • Jüdisches Leben: Er hat die Lebenswege der Kaufmannsfamilie Löbenstein und des jüdischen Soldaten Moritz Loewenstein dokumentiert, um die Erinnerung an die jüdische Gemeinde in Eschwege wachzuhalten.

3. Wichtige Publikationsorgane

Thomas Beck veröffentlicht seine Erkenntnisse regelmäßig in Fachzeitschriften und Jahrbüchern des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (VHG):

  • Eschweger Geschichtsblätter: Hier finden sich zahlreiche Aufsätze zu Themen wie den "Eschweger Hochhuths" (Verwandtschaft des Dramatikers Rolf Hochhuth) oder kriegshistorischen Aspekten.

  • Rund um den Alheimer: Auch für diese Zeitschrift, die sich mit der Geschichte des ehemaligen Kreises Rotenburg befasst, hat er Beiträge verfasst.

Beck gilt als Forscher, der "Geschichte von unten" schreibt. Das bedeutet, er nutzt oft Primärquellen wie Katasterbeschreibungen, alte Firmenunterlagen oder persönliche Briefe, um die großen historischen Ereignisse auf die lokale Ebene herunterzubrechen. Er arbeitet eng mit dem Geschichtsverein Eschwege zusammen und trägt dazu bei, dass die Regionalgeschichte auch für Laien durch Zeitungsartikel und Vorträge greifbar bleibt.

"... gestrickt für die ganze Familie" von Thomas Beck : Das Buch befasst sich mit dem Schicksal jüdischer Unternehmerfamilien vor dem Hintergrund der Firmengeschichte von Rollmann & Rose (einem ehemaligen Textilunternehmen in Eschwege) und thematisiert Beispiele von „Kaufmannsehre“.

  • Hintergrund: Thomas Beck ist Autor von lokalgeschichtlichen Beiträgen, die sich oft mit der Geschichte der Region und jüdischem Leben in Deutschland auseinandersetzen. Das Werk ist unter anderem im Rahmen der Eschweger Geschichtsblätter erschienen.


Es scheint, dass du dich für die Industriegeschichte im Sauerland interessierst, speziell im Kontext der Drahtindustrie. Das Buch, das du suchst, trägt den Titel:

"Rollmann & Rose: Die Geschichte einer märkischen Drahtzieherei"

Autor: Thomas Beck Erscheinungsjahr: 1991 (veröffentlicht im Auftrag der Firma Rollmann & Rose)


Worum geht es in dem Buch?

Thomas Beck beschreibt darin detailliert den Aufstieg und die Entwicklung des Unternehmens Rollmann & Rose mit Sitz in Iserlohn.

  • Wirtschaftsgeschichte: Es beleuchtet den Übergang vom handwerklichen Betrieb zur industriellen Fertigung im 19. und 20. Jahrhundert.

  • Regionale Bedeutung: Das Werk ist eine wichtige Quelle für die Sozial- und Technikgeschichte des märkischen Sauerlandes, einer Region, die über Jahrhunderte durch die Metallverarbeitung geprägt wurde.

  • Unternehmensfokus: Es geht nicht nur um nackte Zahlen, sondern auch um die Gründerfamilien und die Arbeitsbedingungen in der Drahtzieherei.

Warum ist es heute relevant?

Für Historiker oder Heimatforscher ist das Buch deshalb spannend, weil Rollmann & Rose exemplarisch für den "Mittelstand" steht, der das Rückgrat der deutschen Industrie bildet. Es zeigt, wie lokale Ressourcen (Wasserfallenergie, Erzvorkommen) zur Entstehung global agierender Spezialbetriebe führten.

Hinweis zur Beschaffung: Da es sich um eine Festschrift bzw. eine unternehmenshistorische Publikation handelt, ist es im regulären Buchhandel meist vergriffen. Du findest es am ehesten in Antiquariaten, über Plattformen wie ZVAB oder AbeBooks sowie in regionalen Bibliotheken (z. B. der Stadtbücherei Iserlohn oder der Universitätsbibliothek Dortmund).

Fahrendes Volk (Entwurf)

 Als ich nach der Bedeutung des Wortes Volksgruppe im Zusammenhang mit Sinti und Roma gefragt wurde, befragte ich eine KI. Als ich in den beiden Wikipediaartikeln zu Sinti und Roma so ausführlich wie noch nie in meinem Leben über "Zigeuner" informiert wurde und erfuhr, dass gegenwärtig wohl 95% aller Sinti und Roma sesshaft sind, habe ich noch nicht an den Ausdruck Fahrendes Volk (Erläuterung durch eine KIgedacht. Doch dann fiel mir ein, dass die beiden bedeutendsten Dichter des Mittelalters Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach fahrende Sänger waren und dass Wolfram mit seiner Aussage "Schildesamte ist min Art" nicht nur auf seine Stellung als Ritter hinweisen wollte, sondern auch darauf, dass ritterbürtig sei. (Wikipedia Er selbst bezeichnete sich als „ritterbürtig“") Doch Wikipedia "Es ist bekannt, dass Wolfram in seinem Leben an zahlreichen Höfen Dienst tat. Mit Sicherheit stand er in Verbindung mit dem Grafen von Wertheim sowie dem Landgrafen Hermann I. von Thüringen." Und Walther war wohl nicht adlig, weil das von der Vogelweide nicht auf eine Burg oder zumindest eine Gemeinde (wie bei Eschenbach) verweist. Ein Lehen erhielt er erst spät: "Erst von Friedrich [Friedrich II.], aber noch vor dessen Kaiserkrönung (1220) erhielt Walther ein Lehen, das ihn vom Zwang befreite, kurzfristig wechselnde Engagements suchen und das Leben eines fahrenden Sängers führen zu müssen (Lachmann 28,31; „jetzt fürchte ich nicht mehr den Februar an den Zehen“). Walther sagt nicht, wo sich das Lehen befand, und ob es sich dabei überhaupt um die Vergabe von Land oder vielleicht ein nicht mit Landbesitz verbundenes, sogenanntes 'Zinslehen' handelte." (Wikipedia
Natürlich gehört zu Fahrendes Volk auch Lenaus Gedicht (Gesang leider nicht mit korrektem Wortlaut, aber ohne vorherige Werbung, zur Entstehung)

Montag, 6. April 2026

Frühe Forderungen von Grünen

Als Zusammenstellung von historischen Positionen von Grünen (nicht immer der Grünen als Gesamtheit) interessant. 

Keine Truppenübungsplätze mehr (1980er Jahre)
Für Kriegsdienstverweigerung (1980er Jahre)
Für Multi-Kulti I (1980er Jahre)
Gefängnisse abschaffen (1982)
"Schusswaffenlose" Polizei (1980/1985)
Auflösung aller kasernierten Polizeieinheiten, inklusive Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz (1987)
Freigabe von Cannabisbesitz (1987)
Ladendiebstahl wie Mundraub beurteilen (1987)
Auflösung der Verfassungsschutzämter (1987)
Solidarität mit jenen, "deren Verweigerung und Widerstand die Regierungen und ihre Parlamentsmehrheiten so fürchten" (1987)
Streichung des gesamten politischen Strafrechts (1989)
Weitgehender Stellenabbau bei der Polizei (1989)
Obrigkeitsstaatliche Tatbestände des Landfriedensbruch abschaffen (1989)
Einseitige Abrüstung (1989)
Vorbehaltlose Anerkennung der DDR und Verzicht auf Wiedervereinigungsoptionen (1989)
30-Stunden-Woche (1989)
Verdopplung der Sozialhilfe (1989)
Urlaubsgeld für Sozialhilfeempfänger (1989)
Anhebung der Gewerbesteuer und Erhöhung der Staatsverschuldung (1989)
Abschaffung der Gefängnisse (1989)
Offene Grenzen (1990)
Für Multikulti II (1990)
Mülltrennung (1994)
Fünf D-Mark je Liter Benzin (1998)
Ökosteuer (1999)
Einführung Dosenpfand (2000)
Entkriminalisierung von Bagatelldelikten (2002)
"Gender Mainstream": Unser biologisches Geschlecht soll durch ein soziales und psychologisches Geschlecht ersetzt werden. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen keine Rolle mehr spielen. Kurz: Unsere unterschiedlichen Geschlechter sollen "gleich" gemacht werden. Schluss mit Werten, Traditionen, Kulturen und religiösen Überzeugungen, und das alles für einen geschlechtsneutralen "neuen" Menschen. Aus "Mütter" könnte dann "die Elter", aus "Vater" "der Elter" und aus "Eltern" "das Elter" werden. (seit 2002)
Legalisierung weicher Drogen wie Haschisch und Marihuana (2002)
Legalisierung von Prostitution (2002)
Homo-Ehe (2002)
EU-Beitritt der Türkei (2004)
Deutschland als ein Einwanderungsland (2005)
Mehr Türkischunterricht an deutschen Schulen (2008)
Tempolimit auf Autobahnen (2011)
Ökostrom (2011)
Abschaffung der Gymnasien (2011)
Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent (2011)
Einheitsschule (2012)
Mindestlohn von 8,50 Euro (2013)
Bürgerversicherung für alle (2013)
Kapitalerträge wie Arbeitseinkommen versteuern (2013)
Schrittweise Abschaffung des Ehegattensplittings (2013)
Mini-Jobs schon ab 100 Euro statt wie bisher ab 450 Euro besteuern (2013)
"Veggie Day", ein fleischlose Tag in der Woche (2013)
Für straffreie Abtreibungen (2014)
Kostenfreie Verhütungsmittel für Hartz-IV-Empfängerinnen (2014)
Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und gemeinschaftliches Adoptionsrecht (2014)
Kiffen erlauben, Marihuana besteuern (2014)
Entschädigung russischer Kriegsgefangener (2014)
Willkommenskultur statt Abschottung (2014)
Pille "danach" rezeptfrei (2015)
Schuldenschnitt für Griechenland (2015)
Islamischer Religionsunterricht an staatlichen Schulen (2015)

Quelle: Die Grünen von Michael Grandt, 1. Auflage Juni 2015, Seite 21-23.

Ergänzend dazu eine KI:

"In den frühen Jahren nach der Gründung der Partei „Die Grünen“ (Anfang der 1980er Jahre) gab es innerhalb der Partei Strömungen, die – eingebettet in eine damals verbreitete, radikale Kritik an gesellschaftlichen Normen und autoritären Strukturen – Forderungen nach einer Entkriminalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Kindern stellten.

Hier sind die wichtigsten Hintergründe zu dieser Thematik:

Historischer Kontext

In den 1970er und 1980er Jahren gab es in Teilen der westdeutschen Gesellschaft, insbesondere in linksliberalen und alternativ-bewegten Milieus, eine Debatte, die die Sexualität von Kindern und Jugendlichen als unterdrückt ansah und „Befreiung“ forderte. In diesem Umfeld gelang es pädophilen Aktivistengruppen, in verschiedenen politischen Parteien und Organisationen Fuß zu fassen, um ihre Forderungen politisch zu artikulieren. Auch bei den Grünen gab es Arbeitsgruppen, die entsprechende Positionen vertraten und teilweise in Parteiprogrammen oder Thesenpapieren (auf lokaler oder regionaler Ebene) verankert sahen, etwa die Forderung nach der Streichung des § 176 StGB (sexueller Missbrauch von Kindern).

Aufarbeitung durch die Partei

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hat dieses Kapitel ihrer Geschichte in den letzten Jahren intensiv aufgearbeitet. Wesentliche Erkenntnisse dieser Aufarbeitung sind:

  • Keine offizielle Parteilinie: Es wurde nie ein offizielles, bundesweites Grundsatzprogramm verabschiedet, das sexuellen Kindesmissbrauch legitimierte. Dennoch wurden pädophile Forderungen in der Anfangsphase von einigen Funktionsträgern toleriert oder in interne Diskussionsprozesse integriert, was aus heutiger Sicht als schwerer Fehler und Versäumnis gewertet wird.

  • Wissenschaftliche Untersuchung: Um die Hintergründe und den Einfluss pädophiler Strömungen auf die Partei zu klären, gab der Bundesvorstand der Grünen 2013 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag. Der Politikwissenschaftler Professor Franz Walter legte 2014 den Abschlussbericht vor, der bestätigte, dass die Partei in ihren Anfangsjahren pädophile Forderungen nicht konsequent zurückgewiesen und damit Pädophilen teilweise eine politische Bühne geboten hatte.

  • Entschuldigung und Distanzierung: Führende Politikerinnen und Politiker der Partei haben sich mehrfach öffentlich bei den Opfern für dieses historische Versagen entschuldigt und sich unmissverständlich von den damaligen Debatten distanziert. Die Partei betont heute, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die konsequente Bekämpfung von sexualisierter Gewalt zentrale Bestandteile ihrer politischen Arbeit sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es innerhalb der Partei in den 1980er Jahren Strömungen und informelle oder regionale Arbeitsgruppen gab, die solche Forderungen erhoben, diese jedoch nie Teil einer anerkannten, offiziellen Programmatik der gesamten Partei waren. Die Partei hat diese Vergangenheit in den letzten Jahren detailliert aufgearbeitet und sich davon klar distanziert."

Fingerabdruck

 https://de.wikipedia.org/wiki/Fingerabdruck#Geschichte

Sonntag, 5. April 2026

Strafgefangene

Zur Behandlung des aktuellen Themas: https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/04/angela-davis-und-der-einsatz-von.html

Strafgefangene als Bettler im Straßenbild

Aus Italien berichtet Karl Philipp Moritz um 1788

Als ich von diesem Spaziergange wieder in die Stadt zu­rückkehrte, begegneten mir eine Anzahl Galeerensklaven, welche Tonnen trugen; ich hörte ihre Ketten schon von ferne klirren und dachte mir alles Schreckliche ihres Zustandes, welches bald verschwand, da ich näher kam und sah, wie sie mit den Leuten in der Stadt vertraulich sprachen, von Vorbeigehenden angeredet wurden und sich mit ihnen grüß­ten, gleichsam als ob sie gar nicht von der Gesellschaft der übrigen ausgeschlossen wären und in ihrer Funktion mit zu dem Staate gehörten.

Aus Lublin in Polen berichtet für 1812 der sächsische Rittmeister Winkler, Teilnehmer des Russlandfeldzugs Napoleons

Der stete Anblick mehrerer hier in eine Strafanstalt eingebrachten, und mit Beinschellen und schweren Ketten belasteter Verbrecher, macht auf den Fremden einen widrigen Eindruck. Da die Säuberung der Straßen und die Wegräumung des Unraths ein Hauptgeschäft ihrer öffentlichen Arbeit ausmacht, so wird das Ohr fast in allen Straßen durch ihr Kettengeraßel beleidigt, und der Vorübergehende durch zudringliche Bettelung von ihnen in Anspruch genommen.

Ferdinand Gregorovius berichtet 1858 aus Italien

Ich erinnere mich nicht, in Alatri von Bettlern angesprochen worden zu sein, wie man sie überall in der Sabina und im Albanergebirge scharenweise nach sich zieht. Doch dort betteln aus ihrem Kerker heraus Gefangene – ein wunderlicher Anblick, den man übrigens in fast allen römischen Orten haben kann. Während unsere strengen Systeme des Gefängniswesens darauf hinzielen, den Schuldigen soviel als möglich von der Welt abzusondern, ja ihn wie einen verpesteten Gegenstand in die Zelle einzumauern, gönnt ihm hier die Toleranz des Südens wieder einen zu großen Spielraum. Ich hörte oft Gefangene in römischen Städten die heitersten Lieder hinter ihren Gittern singen, in Ritornellen denen auf der Straße antworten, oder ich sah sie mit der Gebärdensprache zum Fenster hinaus Geschichten erzählen, die der Fremde freilich nicht versteht. Nun aber ist ihnen selbst das Betteln noch im Kerker gestattet. Diese Verbrecher, oft nur um geringe Vergehen bestrafte Nichtstuer, strecken ein langes Rohr aus dem Gitter heraus, an welchem mittels eines Fadens ein leinenes Beutelchen befestigt ist. Zwei, drei, vier solcher Rohrstangen sieht man zu gleicher Zeit in Bewegung, und die sie herausstrecken, gleichen den Anglern, welche mit der größten Seelenruhe ihr Rohr in den Händen halten, um es heraufzuziehen, wenn der Fisch angebissen hat. So baumeln dort die leeren Beutelchen in der Luft hin und her; geht nun jemand an dem Gefängnis vorüber, so senkt sich Angelrohr und Beutel ihm vor der Nase nieder, und der Gefangene bittet um der Madonna willen, ihm ein Geldstück hineinzulegen. Er ist nicht minder vergnügt, wenn man ihm eine Zigarre hineinsteckt, die er dann mit Wohlbehagen hinter den Eisenstäben rauchen wird; hat er aber ein paar Bajocci erhascht, so läßt er sich Wein holen, oder was ihm sonst wünschenswert erscheint. Ich konnte diese klassische Art zu betteln niemals ohne Heiterkeit betrachten und mußte mich stets der Sage erinnern, welche von Belisar erzählt, daß er aus dem Fenster seines Turms die Vorübergehenden angebettelt habe – wenigstens zeigt diese Fabel, daß jene Toleranz sehr alt ist, und vielleicht streckten die Gefangenen aus den Kerkern schon in alten Römerzeiten solche Rohrangeln hervor.


Wie war es, in den 1970-1980ern Hausfrau zu sein?

 https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein? Elli, 70...