Elli, 70 Jahre alt: "Von dem Tag an, an dem ich geheiratet habe, war ich alleine. Mein Mann hat sein Leben weitergelebt, hat seine Freunde getroffen, war Schlittschuhlaufen – und ich saß alleine zuhause, in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet, erst mit dickem Bauch und dann mit Baby. Das war im Winter 76/77. Ich war zwanzig Jahre alt, als im Januar 1977 mein Sohn auf die Welt kam.
Mein Mann und ich haben uns kennengelernt, da war ich sechzehn oder siebzehn. Er hatte einen Hund und ich durfte keinen haben – es war ein knuddeliger kleiner Mischling mit einem Kopf wie ein Teddybär. Ich glaube, nur deswegen sind wir zusammengekommen. Der Hund machte ihn interessant, aber auch, dass er aus einer ganz anderen sozialen Schicht kam: Sein Vater war Arbeiter, meiner Arzt. Das hat mich fasziniert. Eigentlich haben wir nie zusammengepasst. Aber ich wurde schwanger und daher haben wir geheiratet. So war das damals. Am Anfang habe ich auch noch an die Beziehung geglaubt.[...] Mein Sohn hatte eine schwere körperliche Behinderung, als er geboren wurde. Er hatte eine angeborene Störung des Hüftgelenks. Das konnte behandelt werden, aber bis er etwa sieben war, war unser Alltag geprägt von Klinikaufenthalten und Therapien. Wir waren jedes Jahr wochen-, teils monatelang im Krankenhaus, er wurde mehrfach operiert und lag monatelang in einem Apparat, der beide Hüftgelenke gebeugt und abgespreizt hielt. Dadurch wurde erreicht, dass die Hüftgelenkpfannen sich ausbilden. Durch die vielen Behandlungen hatte er Folgeerkrankungen, etwa Nierensteine. Mein Mann hat das überhaupt nicht verkraftet und sich in seine Arbeit geflüchtet. [...] Auch von meiner Rente kann ich heute gut leben. Was erstaunlich ist, da ich ja eigentlich mal dachte, dass ich nie arbeiten würde. Eine Zeit lang hatte ich sogar meinen absoluten Traumjob: 17 Jahre lang habe ich als freie Journalistin gearbeitet. Das war die absolute Erfüllung. Als ich wegen der Medienkrise keine Aufträge mehr bekam, bin ich schweren Herzens in meinen alten Job als Berufsschullehrerin zurückgekehrt. Dafür bin ich aufs Land umgezogen. Das habe ich bis zu meiner Rente durchgezogen. Dann war ich zum ersten Mal völlig frei: Kein Mann, kein Kind, kein Job.
Theresia, 84 Jahre alt [...]
Gisa, 82 Jahre alt [...]" https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6328-drei-frauen-erzahlen-wie-es-wirklich-war-in-den-70ern-hausfrau-zu-sein?
Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann
Die Kinder des Monsieur Mathieu (Film dter Wikipediaartikel zu Les Choristes)
Les Choristes (Filmschluss)