Gegen das Vergessen
Geschichte und Erinnerungskultur
Sonntag, 5. Juli 2026
Zur Bedeutung der Kalligrafie für die chinesische Kultur
Wichtigste Wirtschaftsmächte im Wandel der Zeit
Wenn man aus europäischer Sicht auf die Weltgeschichte zurückblickt (Eurozentrismus), sieht man den Aufstieg Chinas zum wichtigsten Konkurrenten der USA als eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die die jahrhundertelange Vorherrschaft der angelsächsischen Weltmächte Britisches Weltreich und USA ablösen wird. Im Rückblick auf die letzten beiden Jahrtausende waren aber China und Indien die wichtigsten Wirtschaftsräume. Erst mit dem Beginn des Kolonialismus im späten 15. und dann im 16. und 17. Jahrhundert zeichnete sich da eine Veränderung ab.
Wenn man den um den Mittelmeerraum und den Nahen Osten erweiterten Raum Europa betrachtet, zeigt sich, dass in diesem Raum während der Jahrtausende vor der Zeitenwende der südöstliche Teil um den fruchtbaren Halbmond herum das wirtschaftlich und kulturell am weitesten entwickelte Zentrum darstellte. Nur eine Zeit lang war das römische Reich in diesem Raum die wichtigste Macht, bis der arabische Raum eine Zeit lang das römische Reich an kultureller Bedeutung übertraf und das Osmanische Reich sogar die Reste des oströmischen Reiches eroberte und zeitweise als gefährlichste Konkurrenz der Christenheit erschien.
Zur weltweiten Entwicklung
KI Gemini:
"Die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Weltgeschichte lässt sich über weite Strecken an zwei Faktoren messen: Bevölkerungsgröße (da vor der Industrialisierung die Wirtschaftsleistung fast linear an die Arbeiterzahl gekoppelt war) und der Kontrolle über die wichtigsten Handelsrouten.
Hier ist die chronologische Abfolge der Imperien, die zu ihrer Zeit als die jeweils bedeutendste Wirtschaftsmacht der Welt (oder ihres massiv dominierenden Wirtschaftsraums) galten:
1. Das Römische Reich & Die Han-Dynastie (ca. 1. Jahrhundert v. Chr. – 2. Jahrhundert n. Chr.)
In der Antike gab es zwei wirtschaftliche Schwergewichte, die über die Seidenstraße lose miteinander verbunden waren:
Das Römische Reich: Kontrollierte den gesamten Mittelmeerraum. Durch einheitliche Währungen, sichere Handelswege und immense Agrarproduktion (vor allem in Ägypten) lag der römische Anteil am globalen BIP schätzungsweise bei rund 25-30 %.
Die Han-Dynastie (China): Zur exakt selben Zeit dominierte die Han-Dynastie Ostasien. Mit einer hochentwickelten Eisen- und Seidenindustrie hielt sie ein ähnliches wirtschaftliches Gewicht (ca. 26 % des globalen BIP).
2. Die Song-Dynastie in China (960–1279)
Nach dem Zusammenbruch Roms und dem europäischen Frühmittelalter verlagerte sich das wirtschaftliche Zentrum unmissverständlich nach China. Die Song-Dynastie erlebte eine Art „frühe industrielle Revolution“:
Sie erfand das Papiergeld, was den Handel massiv beschleunigte.
Die Eisen- und Stahlproduktion erreichte Mengen, die Europa erst im 18. Jahrhundert wieder einholte.
China war zu dieser Zeit das unangefochtene Kraftwerk der Weltwirtschaft.
3. Das Mogulreich in Indien (ca. 16. – 17. Jahrhundert)
Bevor die Europäer durch die Industrialisierung die Weltbühne komplett übernahmen, war Indien der absolute Gigant des globalen Handels. Unter den Mogulkaisern (besonders im 17. Jahrhundert unter Akbar I. und Aurangzeb) war Indien für fast 25 % der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich.
Haupttreiber war die hochentwickelte Textilindustrie (vor allem Baumwolle).
Das Reich schwamm in Silber, das die Europäer im Austausch für indische Waren ins Land bringen mussten.
4. Das Qing-Reich in China (18. Jahrhundert)
Unter der frühen Qing-Dynastie (ca. bis 1800) erlebte China ein gewaltiges Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Schätzungen des Ökonomen Angus Maddison zeigen, dass China um 1820 für über 30 % des globalen BIP stand. Westliche Nationen hatten bis tief ins 18. Jahrhundert hinein massive Handelsdefizite mit China, da die Welt unbedingt chinesischen Tee, Porzellan und Seide kaufte, China selbst aber kaum westliche Produkte importieren wollte.
5. Das Britische Weltreich (19. Jahrhundert)
Mit der Industrialisierung veränderte sich die Dynamik radikal: Plötzlich zählte nicht mehr nur die reine Bevölkerungsgröße, sondern die Maschinenkraft.
Großbritannien wurde zur „Werkbank der Welt“.
Es dominierte durch die Pax Britannica die globalen Seewege und den internationalen Finanzmarkt (London).
6. Die Vereinigten Staaten von Amerika (20. Jahrhundert bis heute)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts (ca. 1890er Jahre) überholten die USA das Britische Empire in puncto reiner Wirtschaftsleistung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945) waren die USA die absolut dominierende Supermacht und hielten zeitweise fast 50 % des weltweiten BIP, da Europa und Asien in Trümmern lagen.
Der US-Dollar wurde zur globalen Leitwährung.
Der historische Wandel im Überblick
| Epoche | Dominierendes Imperium | Hauptgrund für die Macht |
|---|---|---|
| Antike | Römisches Reich / Han-Dynastie | Binnenmarkt, Seidenstraße, Agrarüberschüsse |
| Mittelalter | Song-Dynastie (China) | Papiergeld, frühe Massenproduktion (Stahl/Eisen) |
| Frühe Neuzeit | Mogulreich (Indien) / Qing-Dynastie | Monopol auf Textilien, Tee, Porzellan & riesige Bevölkerung |
| 19. Jahrhundert | Britisches Empire | Erfindung der Dampfkraft, Kolonialismus, Finanzmarktkontrolle |
| Ab 20. Jahrhundert | USA | Massenproduktion, technologische Innovation, Leitwährung |
Heute erleben wir eine Rückkehr zu historischen Mustern: Während die USA nach wie vor die nominal größte und finanztechnisch mächtigste Wirtschaft sind, hat China (als Nachfolger der alten Dynastien) durch seine schiere Größe und Fabrikleistung in Kaufkraftparität gemessen wieder die Spitzenposition eingenommen."
Zur Entwicklung im europäischen, nordafrikanischen und nahöstlichen Raum:
KI Gemini:
"Bevor die Industrialisierung im 19. Jahrhundert die globalen Machtverhältnisse verschob, hing die Wirtschaftskraft eines Reiches fast linear von seiner Bevölkerungsgröße ab, da die Produktivität pro Kopf weltweit ähnlich niedrig war. Weil China und Indien die meisten Menschen ernähren konnten, stellten sie bis etwa 1800 zusammen oft über die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung (BIP).
Die nachfolgende Grafik verdeutlicht diese langfristige historische Verschiebung der weltweiten BIP-Anteile über zwei Jahrtausende:
Neben den beiden asiatischen Riesen gab es in verschiedenen Epochen der Geschichte jedoch andere Imperien und Staaten, die als wirtschaftliche und technologische Zentren die Weltbühne dominierten.
1. Die Supermächte der Antike und des Mittelalters
Das Römische Reich (1. Jahrhundert v. Chr. – 5. Jahrhundert n. Chr.): Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte Rom das gesamte Mittelmeerbecken. Historiker schätzen, dass das Römische Reich zwischen 20% und 25% des globalen BIP erwirtschaftete. Die Wirtschaft basierte auf einem hochentwickelten Agrarsystem, standardisierter Währung und gigantischen Handelsnetzwerken von Britannien bis Ägypten.
Das Byzantinische Reich (Ostrom, 5. – 11. Jahrhundert): Während Westeuropa nach dem Fall Roms wirtschaftlich zurückfiel, blieb Konstantinopel das logistische und finanzielle Zentrum der westlichen Welt. Byzanz profitierte extrem von seiner Lage als Endpunkt der Seidenstraße und der Kontrolle über den Getreidehandel aus Ägypten und der Schwarzmeerregion.
Das Abbasiden-Kalifat (8. – 13. Jahrhundert): Mit dem Zentrum in Bagdad erlebte die islamische Welt ein „Goldenes Zeitalter“. Das Kalifat verband die Handelsnetze des Indischen Ozeans mit dem Mittelmeer. Es war das wissenschaftliche und finanzielle Kraftzentrum der damaligen Welt, dessen Währung (der Dinar) im internationalen Handel allgegenwärtig war.
2. Die Handelsimperien der Frühen Neuzeit
Das Osmanische Reich (15. – 17. Jahrhundert): Durch die strategische Kontrolle der Handelsrouten zwischen Europa, Asien und Afrika kontrollierten die Osmanen jahrhundertelang den Zufluss von Gewürzen, Seide und Rohstoffen nach Europa. Ihre Steuer- und Zollerträge machten das Reich zu einer finanziellen Supermacht.
Das Spanische Weltreich (16. – 17. Jahrhundert): Nach der Entdeckung Amerikas schwamm Spanien im Silber aus den Minen von Potosí (Bolivien) und Mexiko. Dieses Silber trieb nicht nur die europäische Wirtschaft an, sondern floss in riesigen Mengen weiter nach China, um dort Seide und Porzellan zu kaufen. Spanien war der erste Akteur einer echten globalisierten Wirtschaft.
Die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen (Niederlande, 17. Jahrhundert): Das winzige Holland stieg durch Finanzinnovationen (Erfindung der Aktiengesellschaft und der modernen Börse in Amsterdam) zur führenden Handelsmacht auf. Die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) war zeitweise das wertvollste Unternehmen der Weltgeschichte."
Mittwoch, 17. Juni 2026
Eine neue Sicht auf den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Historikerin Pearsall: Amerikanische Revolution begann als Aufstand und endete als Weltkrieg, FR 16.6.2026
KI Gemini:
"In ihrem Werk „Freiheit: Eine neue Geschichte der Amerikanischen Revolution“ (Originaltitel: Freedom Round the Globe: A World History of the American Revolution, erschienen im Mai 2026) wirft die Historikerin Sarah M. S. Pearsall einen völlig neuen, globalen Blick auf die Ereignisse rund um das Jahr 1776.
Anstatt die Erzählung wie üblich auf die Gründerväter in Philadelphia und die dreizehn Kolonien zu beschränken, bettet Pearsall die Revolution in weltweite Freiheits- und Widerstandsbewegungen des 18. Jahrhunderts ein.
Hier ist eine Zusammenfassung der Kernthemen und des Inhalts auf Deutsch:
Der Kernansatz: Eine Dezentrierung der Revolution
Pearsalls Hauptargument lautet, dass die amerikanischen Gründerväter kein Monopol auf den revolutionären Geist oder die Ideen der Aufklärung hatten. Sie erinnert daran, dass die dreizehn Kolonien nicht einmal die Hälfte aller damaligen britischen Kolonien ausmachten. Das Buch untersucht stattdessen, wie weltweite Dynamiken die amerikanische Rebellion überhaupt erst prägten und wie marginalisierte Gruppen rund um den Globus dieselben Werte einforderten.
Die Struktur: Schlüsselwörter der Unabhängigkeitserklärung
Das Buch ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel ein zentrales Schlagwort aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (wie Sicherheit, Glück, Respekt oder Freiheit) aufgreift und dessen Funken an oft unerwarteten, weit entfernten Orten der Welt sucht:
Kalkutta (Indien) & Die Boston Tea Party: Pearsall zieht eine Linie von einer verheerenden Hungersnot in Bengalen und den dortigen Protesten gegen koloniale Steuern direkt zu den Aufständen in Boston. Die imperiale Unterdrückung in Indien galvanisierte den Widerstand in Amerika.
Die „Hessen“ in Deutschland: Das Buch blickt in die dunklen Wälder Hessens, wo junge Männer gegen ihre Zwangsrekrutierung rebellierten. Sie wurden von ihren Landesherren als Subsidientruppen an Großbritannien vermietet*, um in Amerika zu kämpfen – was die Frage aufwarf, wer in diesem brutalen Krieg eigentlich als „zivilisiert“ gelten durfte.
Schottland & Das Streben nach Glück: In einem Debattierclub in Edinburgh, zu dem erstmals auch Frauen Zugang hatten, untersucht die Autorin, was das „Streben nach Glück“ für Menschen abseits der politischen Elite bedeutete.
Jamaika & Westafrika: Sklavenaufstände in der Karibik und Widerstand gegen neue Formen der Sklaverei in Connecticut veränderten die fundamentale Bedeutung des Wortes „Freiheit“ (oft im verzweifelten Ruf nach „Freiheit oder Tod“).
Fazit und Bedeutung
Pearsall zeigt, dass die Bedingungen des Empires selbst – koloniale Ausbeutung, Vertreibung, Sklaverei und militärische Gewalt – eine weltweite Gemeinschaft von Menschen hervorbrachten, die das System herausforderten.
Das Fazit des Buches: Die Amerikanische Revolution war kein isoliertes Ereignis, das von Amerika in die Welt ausstrahlte. Es war vielmehr das Produkt eines globalen, epochenprägenden Drangs nach Freiheit, an dem indigene Völker, versklavte Menschen, Frauen und einfache Soldaten weltweit entscheidenden Anteil hatten.
Samstag, 6. Juni 2026
Jan Gerber: Das Verschwinden des Holocaust. Zum Wandel der Erinnerung
Jan Gerber: Das Verschwinden des Holocaust Zum Wandel der Erinnerung
unter anderem:
Klappentext:"[...] Der Holocaust bewegte sich erst seit den Siebzigern aus den Vororten des Gedächtnisses an den Zweiten Weltkrieg in sein Zentrum.[...] Jan Gerber geht den Ursachen dieser Entwicklung nach. Er fragt nach jenen Bedingungen von Erinnerung und Erkenntnis, die gegenwärtig zu erodieren scheinen. Dazu verbindet er die Gedächtnisgeschichte des Holocaust mit der Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. [...]"
NZZ: "[...] Der Autor nennt konkrete Zahlen, zum Beispiel, dass in Frankreich 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen noch nie vom Holocaust gehört haben. Gerber erklärt laut Biller zunächst, warum es so lange dauerte, das Verbrechen überhaupt in seinem Ausmaß zu begreifen. [...]"
SZ, Welt, FAZ
In seinem Buch „Das Verschwinden des Holocaust. Zum Wandel der Erinnerung“ (erschienen 2025 in der Edition Tiamat) widmet sich der Historiker und Politikwissenschaftler Jan Gerber einer alarmierenden These: Die kollektive Erinnerung an den Holocaust schwindet in der Gegenwart und verliert an Kontur.
Anstatt das Gedenken als eine stetig wachsende, unumstößliche Errungenschaft zu betrachten, zeigt Gerber in seinem historischen Essay, wie brüchig, umkämpft und widersprüchlich diese Erinnerung von Anfang an war. Er verbindet dabei die Gedächtnisgeschichte der Schoa mit der Politik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.
KI Gemini:
1. Das „erste Verschwinden“ nach 1945
Gerber bricht mit dem Mythos, dass das Bewusstsein für die Singularität (Einzigartigkeit) des Verbrechens direkt nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzte. Unmittelbar nach 1945 geriet der Holocaust im öffentlichen und intellektuellen Bewusstsein das erste Mal in Vergessenheit.
Das Unvorstellbare: Die Vernichtung der europäischen Juden lag jenseits des menschlichen Vorstellungsvermögens. Zeitgenossen (selbst namhafte Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre) erfassten die spezifisch jüdische Dimension des Verbrechens zunächst nicht oder drängten sie in den Hintergrund.
Ablenkung durch andere Ängste: In den 1950er- und 1960er- Jahren wurde das Grauen von Auschwitz oft von zeitgenössischen globalen Konflikten überlagert – wie der Angst vor der Atombombe („Kampf dem Atomtod“) oder dem Kalten Krieg. Der Holocaust galt in dieser Zeit oft nur als ein Verbrechen unter vielen.
2. Die späte Entdeckung und die Rolle des „Opfers“
Erst ab den 1970er-Jahren wanderte der Holocaust aus den „Vororten des Gedächtnisses“ in das Zentrum des geschichtlichen Bewusstseins.
Gerber beschreibt dies als einen tiefen Wandel von Rollenbildern: In der Nachkriegszeit dominierte das Leitbild des „strahlenden Helden“. Erst als dieses erodierte, entstand Raum für die Anerkennung der „Sozialfigur des Opfers“ und die Aufarbeitung des spezifisch jüdischen Leids.
Einen massiven Schub im breiten Bewusstsein gab es erst ab Ende der 1970er-Jahre, nicht zuletzt getrieben durch popkulturelle Ereignisse wie die US-Fernsehserie „Holocaust“ (1979) und die Etablierung des Begriffs Schoa in den 1980er-Jahren.
3. Das „zweite Verschwinden“ in der Gegenwart
Den Schwerpunkt des Buches bildet die Analyse der aktuellen Gegenwart, in der die Erinnerung erneut zu erodieren droht – allerdings auf eine andere Weise als nach 1945.
Universalisierung und Banalisierung: Gerber argumentiert, dass der Holocaust im Zuge offizieller Gedenktage und Feierstunden zu einer Art universellen Schiffre, einem „Container“ für jede Form von Unrecht und Gewalttat geworden ist. Wenn Auschwitz für alles Mögliche als Warnung herhalten muss (für Demokratie, Toleranz oder Menschenrechte), verblasst der Blick auf den konkreten, historischen Kern: die gezielte Vernichtung des jüdischen Volkes.
Postkoloniale Debatten und akademischer Wandel: Das Buch ordnet aktuelle ideengeschichtliche Debatten ein. Gerber zeigt auf, dass an den Universitäten die Holocaust Studies zunehmend von den Colonial Studies verdrängt werden. In manchen postkolonialen Strömungen und linken Diskursen wird die Singularität des Holocausts infrage gestellt und das Verbrechen mit Kolonialverbrechen gleichgesetzt oder relativiert, wodurch es in der – wie Hannah Arendt es nannte – „Sauce des Allgemeinen“ unterzugehen droht.
Die Politik Israels: Auch der aktuelle Umgang mit und die Kritik an der Politik des Staates Israel spielen in diesen erinnerungspolitischen Verschiebungen eine zentrale Rolle, was Gerber historisch herleitet.
Fazit: Jan Gerbers Essay ist eine scharfe Kritik an der heutigen Erinnerungskultur. Er zeigt, dass eine ritualisierte und moralisch aufgeladene Erinnerung paradoxerweise dazu führen kann, dass das eigentliche historische Ereignis unsichtbar wird. Das Buch plädiert für die Wiedergewinnung einer klaren historischen Urteilskraft, um die Besonderheit des Holocausts gegen Relativierungen von rechts wie von links zu verteidigen.
Samstag, 23. Mai 2026
Blette und Einschränkungen für Juden
Eine Blette war ein Gutschein für eine Übernachtung und ein Essen bei einer jüdischen Familie. Bletten wurden von jüdischen Gemeinden an Landjuden ausgegeben. Nach den Vertreibungen im Mittelalter wurden erst im 17. Jahrhundert Juden in größerer Zahl von den Territorialherren - auch gegen den Widerstand der Stadtoberen - in die Städte aufgenommen, wenn sie vom Territorialherren einen Schutzbrief kauften. Die weit überwiegende Mehrzahl der Juden konnten einen solchen Schutzbrief aber nicht bezahlen. Um Landjuden zu ermöglichen, wenigstens tageweise eine Stadt zu besuchen und Handel zu treiben (vgl. Hausierer), übernahmen die städtischen jüdischen Gemeinden die Ausgabe dieser Art von Schutzbriefen für einen Tag.[1]
AnmerkungenBearbeiten
Montag, 18. Mai 2026
Veröffentlichungen der Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl/Bensheim:
Die Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) Bensheim ist ein schulisches Projekt, das sich im Sinne der Geschwister Scholl der Aufarbeitung und Dokumentation der jüngeren deutschen Geschichte widmet. Besonders im Fokus stehen dabei lokale Bezüge, wie z. B. die Erforschung der Spuren von Zwingenbergern oder die jüdische Geschichte in Bensheim, etwa durch einen Kurzfilm zum Kaufhaus GANZ www.bildungsserver.de www.gss-bensheim.de.
Die Werkstatt wird von Lehrkräften wie Frank Maus und Peter Ströbel geleitet und ist unter der Adresse Eifelstraße 43, 64625 Bensheim erreichbar (Telefon: 06251 / 10820) arbeitsplattform.bildung.hessen.de.
Aktivitäten und Projekte:
- Schüler:innen recherchieren zu lokalhistorischen Themen, z. B. im Stadtarchiv Bensheim, das über 2.000 Regalmeter Archivgut zur Stadtgeschichte umfasst bensheim.de.
- Es wurden bereits Projekte wie die Dokumentation der Geschichte des Tonwerks in Heppenheim („Wer Vater und Mutter nicht ehrt, der muss ins Tonwerk!“) oder die jüdische Geschichte Bensheims umgesetzt arbeitsplattform.bildung.hessen.de www.gss-bensheim.de.
- Die Geschichtswerkstatt kooperiert mit lokalen Akteur:innen und Projekten wie „Bensheim lebt Demokratie“ und bittet regelmäßig die Bevölkerung um Mithilfe bei der Erforschung weiterer Traditionsgeschäfte oder Familien www.instagram.com www.gss-bensheim.de.
- Aktuell untersuchen Schüler:innen z. B. die ehemalige Futter- und Mehlhandlung der jüdischen Familie Hannchen und Moses Wolf www.gss-bensheim.de.
Kontaktmöglichkeiten:
- Offizielle Website der GSS: www.gss-bensheim.de (dort findet sich auch eine spezielle Seite zur Geschichtswerkstatt) www.gss-bensheim.de.
- Telefonisch über die Schule: 06251 / 10820 oder per Fax: 06251 / 108222
Veröffentlichungen der Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl/Bensheim:
https://arbeitsplattform.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/publikationsverzeichnis.html
https://bensheim.de/rathaus-politik/stadtverwaltung/stadtarchiv/
Montag, 11. Mai 2026
Lastenausgleichsgesetz
Damals herrschte großes Elend unter den Flüchtlingen (!), vertriebenen Millionen von Deutschen. Und es gab ein Lastenausgleichsgesetz, wo die Besitzenden zum Ausgleich der Verluste der Vertriebenen beitrugen. "Die Lastenausgleichsleistungen betrugen bis Ende 1982 insgesamt rund 115 Mrd. DM, waren aber damit noch nicht beendet.[1]" Ohne Belastung der Reichen lässt sich Armut nicht beseitigen.
"Wohnraumhilfe:
Bevorzugung bei der Zuweisung von Mietwohnungen (die Gemeinden verwalteten noch viele Jahre nach dem Krieg den gesamten Wohnraum und bestimmten, wer wohin ziehen durfte)" (Wikipedia)
In unserer Wohnung mit 5 Kindern lebten zeitweise zwei weitere Familien. Allerdings hatten auch wir bei anderen Familien gewohnt, als unsere Wohnung von der US-Verwaltung beschlagnahmt war.
In der Präambel hieß es: „In Anerkennung des Anspruchs der durch den Krieg und seine Folgen besonders betroffenen Bevölkerungsteile auf einen die Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit und die volkswirtschaftlichen Möglichkeiten berücksichtigenden Ausgleich von Lasten und auf die zur Eingliederung der Geschädigten notwendige Hilfe" (Wikipedia)
Soziale Gerechtigkeit war das Schlagwort, das das Wirtschaftswunder möglich machte. Das Lastenausgleichsgesetz hat wesentlich dazu beigetragen.
Zur Bedeutung der Kalligrafie für die chinesische Kultur
Die chinesische Kalligrafie (chinesisch 中國書法 / 中国书法, Pinyin zhōngguó shūfǎ) ist eine Kunstrichtung, die in engem Zusammenhang mit der chi...
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Ein Back-up der Realität , Die ZEIT 28.8.25 "Die US-Regierung tilgt großflächig Informationen aus dem Internet, die nicht ins MAGA-W...
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Begrenzt humanitär ZEIT Nr. 20/2025 14. Mai 2025 Vor 60 Jahren führte die Bundesrepublik das individuelle Asylverfahren nach Artikel 16...
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"[...] ein Fake-Zitat von Josef Goebbels[...], welches von der rechtsextremen Propaganda seit einigen Jahren inflationär und hartnäck...