Erst jetzt, wo wir erkennen, dass die
Gesellschaft der gleichberechtigten Staatsbürgerbürger (Zum Selbstverständnis gleichberechtigter Bürger) erst möglich
wurde, als über es die Nutzung fossiler Energien möglich war,
körperliche Schwerarbeit in großem Stile Maschinen zu übergeben
(Industrielle Revolution), legt es sich nahe, über Gleichheit und
Ungleichheit anders als in Kategorien des Klassenkampfes zu denken.
Es
war die Ausbeutung fossiler Energien, die es möglich machte, die
Ausbeutung der Massen zu reduzieren und die ökonomische Grundlage
für Massenwohlstand und Massendemokratie zu legen. (und die natürliche Folge: der Klimawandel)
Landwirtschaft
setzte in vielen Regionen der Welt eine gewaltige Plackerei der
Vielen voraus, die die wirtschaftliche Grundlage für die
Bevölkerungsexplosion schafften. Ob
es vom Staat ausgebeutete Fellachen waren, die die Pyramiden
erbauten, oder Sklaven, die das Königreich Benin so reich machte,
dass Tausende von Bronzen die Geschichte eines Landes haltbar
dokumentierten, große Kulturleistungen setzten große Ungleichheit (z.B. Kasten) voraus.
Der
Kolonialismus mit dem Fernhandel, der mit Massengütern operierte,
ermöglichte erst den Welthandel mit Menschen, der es möglich
machte, die Massenware Mensch in großem Stil von Kontinent zu Kontinent zu transportieren.
Auf
der Grundlage dieser Gedanken möchte ich Unfreiheit und Freiheit
möglichst unideologisch betrachten.
Sklaven
gab es schon früh als Ergebnis von Kriegen, wo es darum ging,
Gefangene für die eigene Gesellschaft wirtschaftlich nutzbar zu
machen. Die unterschiedliche Entwicklung Chinas, wo die arbeitende
Bevölkerung trotz periodischer Bauernaufstände im Lande zu halten
und einem großen Reich, später Staatswesen dienstbar zu halten, und
Indiens, wo das Kastenwesen eine innere Apartheid aufrecht erhielt,
unterscheidet sich da enorm von
Afrika, dass einen gewaltigen Aderlass an Bevölkerung erlebte, und
Europa, das mit Hilfe von Sklavenhandel und Kolonien das Kapital
sammeln konnte, die Industrialisierung voranzutreiben und so
Sklaverei durch Maschinenarbeit zu ersetzen.
Die
Entwicklung der beiden Amerikas lief unterschiedlich. Während in
Lateinamerika mit Hilfe der Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung
(die durch Sklavenarbeit und Krankheit dezimiert wurde) und
herbeigeschaffter Afrikaner eine Gesellschaft von Großgrundbesitzern
und einer Menge von Armen entstand, führte die Besiedlung
Nordamerikas zur weitgehenden Enteignung der Lebensgrundlage der
indigenen Bevölkerung und der Errichtung eines demokratischen
Staatswesens von Einwanderern. Auch hier wurde die indigene
Bevölkerung durch Afrikaner ergänzt, die großräumige
Landwirtschaft rentabel machten.
Europa
wurde es so ermöglicht, seinen Bevölkerungsüberschuss inklusive Abweichler nach Nordamerika auswandern zu
lassen und dort eine weniger ungleiche Gesellschaft zu entwickeln, in
der freilich die Sklavenhaltung im Süden das Gemeinwesen
auseinanderzureißen drohte. Der Bürgerkrieg hat das dann
verhindert. In Australien fand eine ähnliche Entwicklung wie in
Nordamerika statt, nur dass die europäischen Siedler unfreiwillig in
eine Strafkolonie umgesiedelt wurden und die Aborigines verdrängten.
In
Afrika entwickelte sich die Sklaverei unterschiedlich. In den
Anfängen (die freilich unzureichend schriftlich belegt sind)
entstand die Schicht der Sklaven aus der Gruppe der Kriegsgefangenen
der jeweiligen Streitigkeiten. Dann entwickelten die arabischen
Staaten des Nordens ihre Art von
großräumigeren Sklavenhandels (der bekanntlich auch eine nicht
geringe Menge von Europäern einschloss, die aber relativ häufig
freigekauft wurden oder auch fliehen konnten). Dieser Handel diente
zur Versorgung der Reichen („Besserverdiener“) mit Hauspersonal
und mit vorindustrieller Massenarbeit sowie mit Frauen zur
Aufstockung des Harems und Militärsklaven (Mamluken,
Janitscharen)
zur Herrschaftssicherung.
Bemerkenswert
ist dabei, dass die Kinder der Frauen (je mehr Frauen und
Abkömmlinge, desto höher der gesellschaftliche Rang) der
Besitzenden nicht Sklaven wurden, sondern in die Erbfolge einbezogen
werden konnten. Die männlichen Sklaven, die sie bewachen sollten,
wurden kastriert, was für viele tödlich endete. Kinder männlicher
Sklaven wurden Sklaven.
Je
nach Fähigkeiten wurden sie aber auch – wie in der Antike - als
Dichter, Handwerker, Schriftsteller, Musiker und Handelsgehilfen
eingesetzt und hatten dann prinzipiell
auch die Möglichkeit, zu Geld zu kommen und sich freizukaufen.
„Im
transatlantischen Handel gab es zweimal so viele männliche wie
weibliches Sklaven. Sie waren gefragter, weil sie aufgrund ihrer
Körperkraft als landwirtschaftliche Arbeitskräfte produkti/ver
waren, und wurden vor allem auf Plantagen in der Karibik sowie in
Nord- und Südamerika eingesetzt.“ (Zeinab
Badawi: Eine
afrikanische Geschichte Afrikas, S.S.229f)