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Donnerstag, 30. April 2026

1970 - 2007 eine Epoche wachsender Ungleichheit

"[...] Rubin wurde, nachdem er 1995 ins Finanzministerium wechselte, ein weithin bewunderter Minister. Er entschärfte die Finanzkrisen in Mexiko, Asien und Russland, legte einen ausgeglichenen Haushalt vor und führte die Wirtschaft durch die längste Wachstumsphase der Geschichte. [...]" (Packer: Die AbwicklungS.259)

"Es stellte sich bald heraus, dass die Rubinomie nur wenig bewirkt hatte. Die Jahre 1993-1999 bremsten kaum die langfristigen Trends, die sich seit einer Generation abzeichneten. Von den späten Siebzigern bis zum Jahre 2007, eine Zeit, in der Rubin, die zu den wichtigsten Entscheidungenträgern bei Goldmann Sachs, im Weißen Haus, im Finanzministerium und bei der Citigroup gehört hatte, wuchs der Finanzsektor spektakulär, während die Vorschriften und ungeschriebenen Gesetze, die/ihn im Zaum gehalten hatten, hinweggefegt wurden. Finanzkonzerne verdoppelten ihren Anteil am wirtschaftlichen Gesamtgewinn und die Gehälter im Finanzbereich verdoppelten sich in Bezug auf das Gesamteinkommen. Das oberste Prozent der Gesellschaft verdreifachte seinen Anteil am nationalen Einkommen, während des Einkommen der Mittelklasse nur um zwanzig Prozent das Einkommen der unteren Schichten überhaupt nicht stieg. Vierzig Prozent des gesamten Privatvermögens gehörten dem einen obersten Prozent im Jahr 2007, die unteren vier Fünftel besaßen zusammen nur sieben Prozent. Die Jahre, in denen Rubin, einer der mächtigsten Männer der Welt, der Wall Street und der amerikanischen Politik gewesen war, waren ein Zeitalter massiver Umverteilung – einer vererbbare Ungleichheit, die das Land seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gesehen hatte. " (Packer: Die Abwicklung, S. 280/281). 

Montag, 3. November 2025

Gleichheit und Ungleichheit

 Erst jetzt, wo wir erkennen, dass die Gesellschaft der gleichberechtigten Staatsbürgerbürger (Zum Selbstverständnis gleichberechtigter Bürger) erst möglich wurde, als über es die Nutzung fossiler Energien möglich war, körperliche Schwerarbeit in großem Stile Maschinen zu übergeben (Industrielle Revolution), legt es sich nahe, über Gleichheit und Ungleichheit anders als in Kategorien des Klassenkampfes zu denken.

Es war die Ausbeutung fossiler Energien, die es möglich machte, die Ausbeutung der Massen zu reduzieren und die ökonomische Grundlage für Massenwohlstand und Massendemokratie zu legen. (und die natürliche Folge: der Klimawandel)

Landwirtschaft setzte in vielen Regionen der Welt eine gewaltige Plackerei der Vielen voraus, die die wirtschaftliche Grundlage für die Bevölkerungsexplosion schafften. Ob es vom Staat ausgebeutete Fellachen waren, die die Pyramiden erbauten, oder Sklaven, die das Königreich Benin so reich machte, dass Tausende von Bronzen die Geschichte eines Landes haltbar dokumentierten, große Kulturleistungen setzten große Ungleichheit (z.B. Kasten) voraus.

Der Kolonialismus mit dem Fernhandel, der mit Massengütern operierte, ermöglichte erst den Welthandel mit Menschen, der es möglich machte, die Massenware Mensch in großem Stil von Kontinent zu Kontinent zu transportieren.

Auf der Grundlage dieser Gedanken möchte ich Unfreiheit und Freiheit möglichst unideologisch betrachten.

Sklaven gab es schon früh als Ergebnis von Kriegen, wo es darum ging, Gefangene für die eigene Gesellschaft wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die unterschiedliche Entwicklung Chinas, wo die arbeitende Bevölkerung trotz periodischer Bauernaufstände im Lande zu halten und einem großen Reich, später Staatswesen dienstbar zu halten, und Indiens, wo das Kastenwesen eine innere Apartheid aufrecht erhielt, unterscheidet sich da enorm von Afrika, dass einen gewaltigen Aderlass an Bevölkerung erlebte, und Europa, das mit Hilfe von Sklavenhandel und Kolonien das Kapital sammeln konnte, die Industrialisierung voranzutreiben und so Sklaverei durch Maschinenarbeit zu ersetzen.

Die Entwicklung der beiden Amerikas lief unterschiedlich. Während in Lateinamerika mit Hilfe der Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung (die durch Sklavenarbeit und Krankheit dezimiert wurde) und herbeigeschaffter Afrikaner eine Gesellschaft von Großgrundbesitzern und einer Menge von Armen entstand, führte die Besiedlung Nordamerikas zur weitgehenden Enteignung der Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung und der Errichtung eines demokratischen Staatswesens von Einwanderern. Auch hier wurde die indigene Bevölkerung durch Afrikaner ergänzt, die großräumige Landwirtschaft rentabel machten.

Europa wurde es so ermöglicht, seinen Bevölkerungsüberschuss inklusive Abweichler nach Nordamerika auswandern zu lassen und dort eine weniger ungleiche Gesellschaft zu entwickeln, in der freilich die Sklavenhaltung im Süden das Gemeinwesen auseinanderzureißen drohte. Der Bürgerkrieg hat das dann verhindert. In Australien fand eine ähnliche Entwicklung wie in Nordamerika statt, nur dass die europäischen Siedler unfreiwillig in eine Strafkolonie umgesiedelt wurden und die Aborigines verdrängten.

In Afrika entwickelte sich die Sklaverei unterschiedlich. In den Anfängen (die freilich unzureichend schriftlich belegt sind) entstand die Schicht der Sklaven aus der Gruppe der Kriegsgefangenen der jeweiligen Streitigkeiten. Dann entwickelten die arabischen Staaten des Nordens ihre Art von großräumigeren Sklavenhandels (der bekanntlich auch eine nicht geringe Menge von Europäern einschloss, die aber relativ häufig freigekauft wurden oder auch fliehen konnten). Dieser Handel diente zur Versorgung der Reichen („Besserverdiener“) mit Hauspersonal und mit vorindustrieller Massenarbeit sowie mit Frauen zur Aufstockung des Harems und Militärsklaven (Mamluken, Janitscharen) zur Herrschaftssicherung.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Kinder der Frauen (je mehr Frauen und Abkömmlinge, desto höher der gesellschaftliche Rang) der Besitzenden nicht Sklaven wurden, sondern in die Erbfolge einbezogen werden konnten. Die männlichen Sklaven, die sie bewachen sollten, wurden kastriert, was für viele tödlich endete. Kinder männlicher Sklaven wurden Sklaven.

Je nach Fähigkeiten wurden sie aber auch – wie in der Antike - als Dichter, Handwerker, Schriftsteller, Musiker und Handelsgehilfen eingesetzt und hatten dann prinzipiell auch die Möglichkeit, zu Geld zu kommen und sich freizukaufen.

Im transatlantischen Handel gab es zweimal so viele männliche wie weibliches Sklaven. Sie waren gefragter, weil sie aufgrund ihrer Körperkraft als landwirtschaftliche Arbeitskräfte produkti/ver waren, und wurden vor allem auf Plantagen in der Karibik sowie in Nord- und Südamerika eingesetzt.“ (Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas, S.S.229f)


Eine neue Sicht auf den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

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