Sonntag, 5. Juli 2026

Zur Bedeutung der Kalligrafie für die chinesische Kultur











Zum Zeichen, wie so ein Schriftstück von Fachleuten gelesen und beurteilt wird, hier ein Zitat:

 Mi Fu wurde im Alter von 21 Jahren "in die Hauptstadt bestellt, wo er ein Amt in der Palastbibliothek übernahm. [...] Später diente er nacheinander als Militärkommandeur [...] und als Militärverwalter Mi Fu beherrschte die literarische Form des Essays ebenso wie Lyrik und zeichnete sich sowohl in Kalligraphie als auch in Malerei aus. Zudem galt er als besonders sorgfältiger Gutachter." Mit Vorliebe schrieb er in Kursivschrift und Konzeptschrift. "Er imitierte die Schriftsteller des Altertums und übernahm deren jeweilige Vorzüge. [...] Seine souveräne Pinselführung ist ebenso dynamisch wie würdevoll und wirkt doch flüssig und anmutig. [...]
Mi Fu war, als er diesen Brief schrieb, 42 Jahre alt und hatte zu dieser Zeit, einen Grad der Reife und Verfeinerung seiner Kunst erreicht, der es ihm ermöglichte, absolut virtuos und mühelos mit dem Pinsel umzugehen. Selbst beim Setzen eines einzelnen Punktes mit der Spitze des Pinsels, vermochte er noch die feinsten Veränderungen vorzunehmen, sensible Pausen einzulegen oder Wendungen zu vollziehen, und dann den Strich mit scharfer Spitze und dennoch mit einem Gefühl vollkommener Entspannung in einen anmutigen Schluss auslaufen zu lassen. Am Ende der vorletzten Zeile, 'Ich senke den Kopf und verneige mich noch einmal ehrfurchtsvoll', legt der sonst kontinuierliche Pinselfluss eine melodische Kunstpause ein. Während die Zeichen weiter vorne im Text etwas größer sind und die Klimax des Werkes zu bilden scheinen, wirkt die letzte Zeile dagegen ein wenig stumpf. " ("Schätze der Himmelssöhne. Die kaiserliche Sammlung aus dem nationalen Palastmuseum, Taipeh, S. 183, Copyright 2003 Kunst – und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn) 

Wikipedia: Die chinesische Kalligrafie (chinesisch 中國書法 / 中国书法, Pinyin zhōngguó shūfǎ) ist eine Kunstrichtung, die in engem Zusammenhang mit der chinesischen Malerei steht. In beiden Künsten werden die gleichen Werkzeuge, die Vier Schätze des Gelehrtenzimmers, verwendet: Schreibpinsel, Stangentusche, Reibstein und Papier. Deshalb verwundert es nicht, dass berühmte chinesische Kalligrafen oft auch bedeutende Maler waren.

Kalligrafie allgemein: Wikipedia"[...] Die am meisten verwendeten Werkzeuge sind Pinsel, Tuschestange und Tuschestein, sowie das Papier als wesentlicher Bestandteil des Schreibprozesses. Vor dem eigentlichen Schreiben wird Tusche von der Tuschestange im Reibstein mit Wasser oder Wein angerieben. Der Schreibakt ist heutzutage oftmals impulsiv, was die Schriftzeichen schwer leserlich, aber umso ausdrucksstärker macht. Schriftstile wie die Grasschrift stellen den eigentlichen Text und seine Lesbarkeit sogar bewusst hinter die kalligraphische Gestaltung zurück, selbst gebildete Chinesen können Grasschriften oft nicht lesen. Sie gelten als Bild, nicht als Text.

Kalligrafische Kunstwerke zieren auch als paarige senkrechte Schrifttafeln und als waagrechte Namensschilder den chinesischen Garten. Sie sind von den Gartenbauten fast nicht zu trennen und bilden wichtige Schmuckelemente im chinesischen Landschaftsgarten. Der Inhalt der Tafeln und Schilder ist im Allgemeinen auf die Umgebung der Gebäude bezogen. Häufig handelt es sich um Zeilen aus berühmten Gedichten, in denen Besonderheiten der Szenerie angedeutet sind. [...]"

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