Donnerstag, 27. März 2025

Bonhoeffer über Dummheit

 Immer noch aktuell, auch in diesem Zusammenhang, was Dietrich Bonhoeffer an der Wende zum Jahr 1943 schrieb:

"Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. (...) Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch..."

"Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind..."

Dies könnte auch auf die heutige Dummheit unter Trump (d. Evangelikalen) und Putin bezogen sein:

"Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen."

"[Der Dumme] ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Missbrauchs..."


Vorläufige Quelle:  Kommentar zu einem Gespräch mit Tobias Korenke. ZEIT  16.10.24

Mittwoch, 26. März 2025

Gegen das Vergessen in Peru

Reportage von Knut Henkel. FR 25.03.2025

Das LUM-Museum in Lima will an den Bürgerkrieg erinnern, der zwischen 1980 und 2000 tobte. Die Gedenkstätte für die rund 70 000 Opfer war jedoch in Peru politisch nie gewollt. Nun wird sie langsam abgewickelt. 
 Das massive, schwarze Metalltor steht offen. Ein Wachmann mustert aufmerksam die Menschen, die den schmalen beleuchteten Gang zum Fahrstuhl entlanggehen. Etwas unheimlich wirkt der lange Weg ins Innere des LUM. Die drei Buchstaben stehen für „Lugar de Memoria, Tolerancia y Inclusión Social“, Ort der Erinnerung, Toleranz und sozialen Teilhabe. Für Manuel Burga haben sich die Architekten bei der Planung des Weges ins Innere des LUM etwas gedacht. „Erinnern an Gewalt, an Menschenrechtsverletzungen ist ein schwieriger Prozess, das wird mit diesem Weg ins Innere symbolisiert“, meint der 82-jährige Historiker. Burga hat fast sieben Jahre lang das LUM geleitet, es international mit vielen der weltweit 51 Museen der Erinnerung, darunter so bekannte Gedenkorte wie Buchenwald, Osaka, Johannesburg oder Winnipeg und Santiago de Chile, vernetzt. Forschungsinitiativen, Kooperationen und etliche wissenschaftliche Beiträge sind so entstanden. Die liegen seit dem 7. Januar 2025 auf Eis. [...]
Der langjährige Leiter des Instituts für Demokratie und Menschenrechte an der Päpstlichen, katholischen Universität von Lima ist so etwas wie der Geburtshelfer des LUM – und Intimfeind der „Fujimoristas“.
Die Anhängerschaft des Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, der von 1990 bis 2000 autokratisch regierte, hat es dem überzeugten Humanisten Lerner nie verziehen, dass er das Gros der Verbrechen gegen die Menschlichkeit des extrem brutal geführten Bürgerkriegs, der zwischen 1980 und 2000 tobte, mit seinem Team aufgedeckt hat. Schon als der 6000 Seiten umfassende Bericht am 28. August 2003 nach rund zwei Jahren intensiver Forschungstätigkeit vorgestellt wurde, waren Militärs und extreme Rechte entsetzt. Die Armee wird darin nämlich für rund 30 Prozent der insgesamt 69 800 Opfer des Konflikts verantwortlich gemacht. Für weitere 24 Prozent sind die paramilitärischen Gruppen verantwortlich. „Das passte nicht ins Weltbild dieser Kräfte, die für die Verteidigung der Demokratie verehrt werden wollten und wollen“, erklärt Manuel Burga. Für eine triumphierende, einseitige Darstellung des Bürgerkriegs, der Peru bis heute prägt und in dem mehr als 22 000 Menschen verschwunden sind, ist im LUM nie Platz gewesen. [...]"

Montag, 24. März 2025

Fluchthelfer für Luther nach dem Reichstag zu Augsburg

 Nach dem Reichstag zu Augsburg musste sich Martin Luther 1518 in den Fuggerhäusern, vor dem vom Papst beauftragten Kardinal Thomas Cajetan, hinsichtlich seiner Thesen verantworten. Er traf am 7. Oktober in der Stadt ein und verließ sie am 20. des Monats. Am 12., 13. und 14. Oktober fanden die Verhandlungen mit Kardinal Cajetan statt. Luther wohnte während seines Aufenthaltes im Karmelitenkloster St. Anna, wo sich auch Langenmantel aufhielt, der sich freundschaftlich um ihn kümmerte und beriet.[12] Als Martin Luther den Widerruf seiner Thesen verweigerte, bestand die akute Gefahr seiner Verhaftung. Christoph Langenmantel, der Sohn des zu dieser Zeit amtierenden Augsburger Bürgermeisters Georg Langenmantel, führte ihn in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober heimlich durch eine geheime Pforte in der Stadtmauer, so dass er entfliehen konnte.[13][14] Laut Überlieferung soll Langenmantel an der Pforte zu Luther gesagt haben: „Da hinab“, weshalb dieser Ort noch heute so heißt und dort auch eine entsprechende Gedenkinschrift eingelassen wurde.[15][16][17] Mit Datum vom 25. November 1518 sandte ihm Luther aus Wittenberg einen Dankesbrief.[18]

Die Fluchthilfe durch Christoph Langenmantel ist historisch gesichert, eine ausschmückende und unbelegte Legende bleibt hingegen die Geschichte, dass er ihn auch von Augsburg nach Schloss Hohenschwangau geleitet habe.[19][20] Diese Legende ließ König Max II. 1835 dort im Schwangauer Zimmer, durch den Maler Wilhelm Lindenschmit, in Form eines romantisierenden Wandgemäldes darstellen.[21]

Trotz seiner Sympathie für Luther und seine Anliegen hat Christoph Langenmantel letztlich mit der alten Kirche nicht gebrochen. 1525 bittet er als Freisinger Domherr den bayerischen Kanzler Augustin Lösch[22] und den Rat Leonhard von Eck, bei Herzog Wilhelm IV. zu erwirken, dass das Haus des der Reformation anhängenden und abgesetzten Chorherrn von St. Andrä, Wolfgang Wursinger, einem altgläubigen Kleriker eingeräumt werde.[23] Im gleichen Jahr wird er nochmals als Freisinger Domherr und gleichzeitiger Pfarrer von Haslach bei Traunstein genannt.[24]

(Christoph Langenmantel)

Freitag, 21. März 2025

Josephus, jüdischer Historiker

 Da ich daran denke, die Bücher wegzugeben, versichere ich mich jetzt des Zugangs auf die Quellen im Internet:

Wikisource:

https://de.wikisource.org/wiki/Juedischer_Krieg

https://de.wikisource.org/wiki/J%C3%BCdische_Altert%C3%BCmer Jüdische Altertümer

Auch die Links zu den weiteren Werken findet man über den Wikipedia-Artikel: Josephus (exzellent)

Hauptautorin des Artikels ist Ktiv. Hier ihre "virtuelle Bibliothek". Laut ihrer Benutzerinnenseite befindet sie sich in einer Wikipause, hat aber in der Zeit von 27.2. bis 22.3.25 500 Bearbeitungen vorgenommen.

"Als junger Priester aus der Jerusalemer Oberschicht hatte Josephus eine aktive Rolle im Jüdischen Krieg: Er verteidigte Galiläa im Frühjahr 67 gegen die römische Armee unter Vespasian. In Jotapata geriet er in römische Gefangenschaft. Er prophezeite dem Feldherrn Vespasian dessen künftiges Kaisertum. Als Freigelassener begleitete er Vespasians Sohn Titus in der Endphase des Krieges und wurde so Zeuge der Eroberung von Jerusalem (70 n. Chr.). Mit Titus kam er im folgenden Jahr nach Rom, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Er erhielt das römische Bürgerrecht und lebte fortan von einer kaiserlichen Pension und dem Ertrag seiner Landgüter in Judäa. Die Muße nutzte er zur Abfassung mehrerer Werke in griechischer Sprache: [...] Erhalten blieben die Schriften des Josephus, weil sie schon in der Spätantike von christlichen Autoren als eine Art Nachschlagewerk entdeckt wurden. Bei Josephus fand der Leser des Neuen Testaments nützliche Hintergrundinformationen: Er war der einzige zeitgenössische Autor, der sich detailliert und mit eigener Ortskenntnis über Galiläa äußerte. Die Stadt Jerusalem und der Tempel dort werden ebenfalls genau beschrieben. Josephus erwähnte Johannes den Täufer und wohl auch Jesus von Nazareth – allerdings ist diese Textstelle (das sogenannte Testimonium Flavianum) christlich überarbeitet worden und der ursprüngliche Wortlaut unsicher. Im Bellum beschrieb Josephus ausführlich das Leiden der Menschen im belagerten Jerusalem. Er brach mit den Konventionen der antiken Geschichtsschreibung, die ihn zu Sachlichkeit verpflichteten, um über das Unglück seiner Heimat zu klagen. Seit Origenes deuteten christliche Theologen diese Kriegsberichte als Gottes Strafgericht an den Juden, eine Konsequenz aus der in ihren Augen von Juden verschuldeten Kreuzigung Jesu.

Für die Geschichte Judäas von etwa 200 v. Chr. bis 75 n. Chr. sind Josephus’ Werke die wichtigste antike Quelle. Sein Alleinstellungsmerkmal ist, dass er als antiker Jude über seine Kindheit und Jugend einerseits und seine Rolle im Krieg gegen Rom andererseits Auskunft gibt. Allerdings begegnet der Leser nie direkt dem jungen galiläischen Militärführer, sondern widersprüchlichen Bildern, die ein älterer römischer Bürger von seinem früheren Ich entwarf.

Die neuere Forschung befasst sich damit, wie Josephus im Rom der Flavier als jüdischer Historiker seinen Weg suchte. Die Einwohner Roms waren ständig mit dem Thema Judäa konfrontiert, denn Vespasian und Titus feierten ihren Sieg in einer aufständischen Provinz mit Triumphzug, Münzprägungen und Monumentalarchitektur, als wäre es eine Neueroberung. Josephus stellte sich der Aufgabe, als einer der Besiegten die Geschichte dieses Krieges den Siegern anders zu erzählen. Entstanden ist dabei ein hybrides Werk, das Jüdisches, Griechisches und Römisches verbindet. Das macht Josephus zu einem interessanten Autor für eine postkoloniale Lektüre."

Sonntag, 23. Februar 2025

Michael Sommer: Mordsache Caesar

 Michael Sommer: Mordsache Caesar             Leseprobe bei C.H. Beck Verlag

Michael Sommer über seine Rolle als Ermittler in der Mordsache:

"Der historische Ermittler kann sich nicht auf viele Indizien stützen. Erhalten sind nur ein paar Briefe, die Caesar Mörder wie Brutus, Cassius und Tribus geschrieben haben, meist an Cicero und in denen sie sich, wenn überhaupt, dann nur zwischen den Zeilen über ihre Pläne äußern. Schließlich las der Feind womöglich mit. Der Ermittler ist also auf Zeugenaussagen angewiesen. Sie stammen von Gewährsleuten, die alle samt ein Glaubwürdigkeitsproblem haben. Oft schildern sie ihre eigene Version der Ereignisse, weil sie voreingenommen sind: gegen Caesar, wie Cicero, der Zeitgenosse und genaue Beobachter der römischen Politik; oder für ihn, wie die meisten, die erst zur Feder griffen, nachdem sich Augustus, als Adoptivsohn im Spiel um die Macht durchgesetzt hatte." 

Aus Rezensionen: 

Wilhelm von Sternburg FR 15.10.24:  
hochspannend und gleichzeitig wissenschaftlich valide, unterstützt mit Texten antiker Historiker


Clemens Klünemann NZZ 27.9.24: 
Sommer erzählt im Blick auf die Suche nach den Gründen für den Tyrannenmord die  Geschichte der römischen Republik nach und geht der Frage nach, weshalb es den Mördern nicht gelang, das verfolgte Hauptziel, Erneuerung der Republik zu erreichen.

Fontanefan:
Als Jugendlicher habe ich Mirko Jelusischs Cäsarbiographie durchaus mit Gewinn gelesen. Als ich jetzt dies Buch bekam schreckte ich vor dem reißerischen Titel zurück. Jetzt ein erzählerisch ausgestaltetes Werk, wo der Erzähler fast alles erfinden muss, was wird das wohl werden. Aber ich wurde positiv enttäuscht. Bis auf kürzere Passagen ist das Buch tatsächlich im Stil einer investigativen Reportagestil geschrieben, und es beginnt mit Tarquinius. Da gibt es jetzt Stoff genug, und es bedarf keiner Räuberpistole; aber die Geschichte wird zugespitzt als Vorgeschichte auf ein Ereignis, ergeht sich also nicht in langen abstrakten Schilderungen des Lebens auf dem Lande und des Aufbaus der römischen Gesellschaft.

Zur Vorgeschichte:
Octavian (Augustus)

Die Darstellung der Vorgeschichte der Verschwörung ist weithin überzeugend. Mich stört allerdings etwas, wie sicher Cäsar an dem erst 17/18-jährigen Octavian "Die Einheit von absoluter Skrupellosigkeit und strategischem Weitblick, diese typisch caesarische Mischung" (S.149) nach dem Bericht des Ermittlers erkannt haben soll. Das sind Eigenschaften, die im Laufe seiner Frontenwechsel zwischen Republik und Triumvirat deutlich wurden, aber doch schwerlich an einem 18-Jährigen erkannt werden können. 
Vielleicht hält sich deshalb der Historiker Sommer, der sonst mit "Aktenvermerken des Historikers" nicht spart, zurück.

Auf dem Weg zur Ermordung

Nach Sommer war Cassius einer der fähigsten, wenn nicht der fähigste Militär beim Partherfeldzug unter Crassus, organisierte erfolgreich den Rückzug des geschlagenen Heeres, operierte unter Pompeius erfolgreich zu Land und zur See gegen Cäsar. Dieser schätzte seine militärischen Qualitäten, begnadigte ihn und sah für Cassius die Provinz Syria vor (zog aber für die Stadtpräfektur Brutus vor), Cassius war offenbar unzufrieden (wie aus den Briefen an Cicero nachträglich herausgelesen werden kann. Aber erst als Cäsar erfolgreich und relativ arrogant aus Spanien zurückkehrte, sah er die Chance, im Kreis der angesehenen Senatoren mehr Bundesgenossen zu finden. (S.175-88)

Marcus Iunius Brutus

Ligarius (S.225-28)

Stichworte zur Geschichte der DDR

Held der Arbeit 

Chronologisch

Personen


Alphabetisch





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Bonhoeffer über Dummheit

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