Mittwoch, 17. Juni 2026

Eine neue Sicht auf den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

Historikerin Pearsall: Amerikanische Revolution begann als Aufstand und endete als Weltkrieg, FR 16.6.2026

Pearsall legt Wert darauf, dass die amerikanischen Kolonisten bei ihrem Aufstand gegen die britische Krone von der indigenen Bevölkerung unterstützt wurde

KI Gemini:

"In ihrem Werk „Freiheit: Eine neue Geschichte der Amerikanischen Revolution“ (Originaltitel: Freedom Round the Globe: A World History of the American Revolution, erschienen im Mai 2026) wirft die Historikerin Sarah M. S. Pearsall einen völlig neuen, globalen Blick auf die Ereignisse rund um das Jahr 1776.

Anstatt die Erzählung wie üblich auf die Gründerväter in Philadelphia und die dreizehn Kolonien zu beschränken, bettet Pearsall die Revolution in weltweite Freiheits- und Widerstandsbewegungen des 18. Jahrhunderts ein.

Hier ist eine Zusammenfassung der Kernthemen und des Inhalts auf Deutsch:

Der Kernansatz: Eine Dezentrierung der Revolution

Pearsalls Hauptargument lautet, dass die amerikanischen Gründerväter kein Monopol auf den revolutionären Geist oder die Ideen der Aufklärung hatten. Sie erinnert daran, dass die dreizehn Kolonien nicht einmal die Hälfte aller damaligen britischen Kolonien ausmachten. Das Buch untersucht stattdessen, wie weltweite Dynamiken die amerikanische Rebellion überhaupt erst prägten und wie marginalisierte Gruppen rund um den Globus dieselben Werte einforderten.

Die Struktur: Schlüsselwörter der Unabhängigkeitserklärung

Das Buch ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel ein zentrales Schlagwort aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (wie Sicherheit, Glück, Respekt oder Freiheit) aufgreift und dessen Funken an oft unerwarteten, weit entfernten Orten der Welt sucht:

  • Kalkutta (Indien) & Die Boston Tea Party: Pearsall zieht eine Linie von einer verheerenden Hungersnot in Bengalen und den dortigen Protesten gegen koloniale Steuern direkt zu den Aufständen in Boston. Die imperiale Unterdrückung in Indien galvanisierte den Widerstand in Amerika.

  • Die „Hessen“ in Deutschland: Das Buch blickt in die dunklen Wälder Hessens, wo junge Männer gegen ihre Zwangsrekrutierung rebellierten. Sie wurden von ihren Landesherren als Subsidientruppen an Großbritannien vermietet*, um in Amerika zu kämpfen – was die Frage aufwarf, wer in diesem brutalen Krieg eigentlich als „zivilisiert“ gelten durfte.

  • Schottland & Das Streben nach Glück: In einem Debattierclub in Edinburgh, zu dem erstmals auch Frauen Zugang hatten, untersucht die Autorin, was das „Streben nach Glück“ für Menschen abseits der politischen Elite bedeutete.

  • Jamaika & Westafrika: Sklavenaufstände in der Karibik und Widerstand gegen neue Formen der Sklaverei in Connecticut veränderten die fundamentale Bedeutung des Wortes „Freiheit“ (oft im verzweifelten Ruf nach „Freiheit oder Tod“).

Fazit und Bedeutung

Pearsall zeigt, dass die Bedingungen des Empires selbst – koloniale Ausbeutung, Vertreibung, Sklaverei und militärische Gewalt – eine weltweite Gemeinschaft von Menschen hervorbrachten, die das System herausforderten.

Das Fazit des Buches: Die Amerikanische Revolution war kein isoliertes Ereignis, das von Amerika in die Welt ausstrahlte. Es war vielmehr das Produkt eines globalen, epochenprägenden Drangs nach Freiheit, an dem indigene Völker, versklavte Menschen, Frauen und einfache Soldaten weltweit entscheidenden Anteil hatten.


*                  "Den größten Umfang nahm der Soldatenhandel während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs an: etwa 30.000 Mann wurden dazu aus Deutschland (vor allem aus Hessen-Kassel, Nassau, Waldeck, Ansbach-Bayreuth, Braunschweig und Anhalt-Zerbst) für Großbritannien gestellt, das dafür den Fürsten dieser Staaten etwa 8 Millionen Pfund Sterling zahlte. Ein größeres Kontingent davon entstammt dem Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel." (Wikipedia)
Ein prominenter vermieteter Söldner war der deutsche Schriftsteller Johann Gottfried Seume.

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