Katzenelson war aktiv am Aufstand im Warschauer Ghetto beteiligt, der am 19. April 1943 begann. Um sein Leben zu retten, verschaffte ihm das Kommando der jüdischen Kampforganisation gefälschte honduranische Papiere und schleuste ihn in den „arischen Teil“ von Warschau, wo er, wie viele andere, vergeblich hoffte, über das Hotel Polski in die Freiheit zu gelangen. Stattdessen kam er in ein Sonder-KZ nach Vittel am Rande der Vogesen. Dort waren überwiegend amerikanische und britische Staatsbürger interniert, die gegen internierte Deutsche im feindlichen Ausland ausgetauscht werden sollten. Dort schrieb er auch sein Lid funm ojsgehargetn jidischen folk (Fertigstellung des Manuskripts am 17. Januar 1944). Das Manuskript vergrub er, in Flaschen verpackt, gemeinsam mit der Mitgefangenen Miriam Novitch, die überlebte, unter einem Baum. Das Lager wurde dann am 12. September 1944 von den Alliierten befreit. Eine Kopie des Manuskripts wurde, in einen Koffergriff eingenäht, durch eine Lagerkameradin, der er es übergeben hatte, 1944 nach Palästina geschmuggelt. Beide Exemplare sind erhalten geblieben.
Ende April 1944 wurde Katzenelson mit seinem siebzehnjährigen Sohn Zwi im „Konvoi 72“ nach Auschwitz deportiert, wo sie am 1. oder 3. Mai 1944 vergast wurden. Zuvor hatte er in Vittel seinen alten Freund aus früheren Lodzer Tagen, Dr. Nathan Eck (gest. Tel Aviv 22. Februar 1982), wiedergetroffen, der ebenfalls im April 1944 von Vittel nach Auschwitz deportiert werden sollte, dem es aber gelungen war, vom Zug abzuspringen und nach Paris zu entkommen. Im Februar 1945, noch vor Ende des Krieges, gab er Katzenelsons Werk Dos Lid … im jiddischen Original in Paris heraus. Nathan Eck hatte Katzenelson in Vittel versprechen müssen, Dos Lid … herauszugeben, sollte der Dichter den Krieg nicht überleben.
Dazu KI Gemini:
Lid funem oysgeharfeten yidishn folk“ (Jiddisch für „Lied vom ermordeten jüdischen Volk“) ist ein monumentales jiddisches Gedicht des polnisch-jüdischen Dichters Itzhak Katzenelson (1886–1944).
1. Entstehung und Geschichte
Entstehung in der Gefangenschaft: Katzenelson verfasste das Gedicht zwischen Oktober 1943 und Januar 1944 während seiner Internierung im Lager Vittel im besetzten Frankreich, nachdem er aus dem Warschauer Ghetto entkommen war.
Bewahrung: Aus Angst vor seiner bevorstehenden Deportation und seinem Tod vergrub Katzenelson das Manuskript in Gläsern unter einem Baum im Lager, unterstützt von einer Mitgefangenen, Miriam Novitch. Eine weitere Kopie wurde in den Griff eines Koffers eingenäht, den Ruth Joffe nach Palästina mitnahm. Katzenelson wurde im April 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Veröffentlichung: Das Manuskript wurde nach dem Krieg geborgen und 1945 in Paris veröffentlicht; es gilt als eines der bedeutendsten literarischen Zeugnisse des Holocaust (der Schoah), die noch während des Geschehens auf Jiddisch verfasst wurden.
2. Aufbau und Thematik
Das Werk besteht aus 15 Gesängen (Abschnitten), die in gereimten Vierzeilern verfasst sind.
Es ist eine kraftvolle, herzzerreißende Klage und Elegie, die den Untergang des europäischen Judentums, die Zerstörung des Warschauer Ghettos und den Verlust der eigenen Familie des Dichters (seine Frau Hannah und zwei seiner Söhne wurden in Treblinka ermordet) beklagt.
Das Gedicht verbindet tiefe Trauer, existenzielle Todesangst und Trotz mit dem verzweifelten Appell an die Welt und an Gott, Zeugnis von dieser Tragödie abzulegen.
Der Erste Gesang (Der erschter gesang / Der erschte kapitel) von Itzhak Katzenelsons Epos ist ein verzweifelter, schmerzhafter Anruf an den Gesang selbst und an den Himmel, der angesichts des Grauens stumm geblieben ist.
Hier ist eine getreue Übersetzung des ersten Gesangs ins Deutsche:
Erster Gesang
Sing! Nimm die Harfe in die Hand, die stumme, schwere! Schlage die Sehnen an, erschüttere sie wie mit einer Faust! Singe ein Lied – das letzte Lied auf dieser Erde, Singe von jüdischem Blut, das vergossen wurde, hoch aufgetürmt.
Singe, singe! Heb deine Hände auf, zerbrochen und zerschunden, Zum Himmel, der so leer ist, so fremd und kalt. O Himmel, Himmel! Sage mir, warum hast du zugesehen, Als mein Volk gemordet wurde – alt und jung?
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