"[...] Die Katastrophe wiederholt sich fast jeden Tag, nahezu geräuschlos, scheint unaufhaltsam und hat ganz Deutschland erfasst. Sie vernichtet das Gedächtnis von Jahrtausenden, das Wissen von dem, was war. Die Behörden, die damit beauftragt sind, die Erinnerung an die Vergangenheit zu schützen, erklären sich für machtlos, und die Politik scheint ahnungslos. Die Katastrophe, von der die Rede ist, droht nichts Geringeres zu zerstören als das wichtigste Archiv in Deutschland. Gemeint ist damit nicht die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, nicht das Deutsche Literaturarchiv Marbach, sondern der Boden unter unseren Füßen: die Erde und alle Geheimnisse, die darin seit Anbeginn der Menschheit geborgen sind.
»Es ist entsetzlich«, sagt Mathias Hensch, Kreis- und Stadtarchäologe im niedersächsischen Uelzen.
»Ich kämpfe auf verlorenem Posten«, sagt André Richter, Bodendenkmalpfleger im thüringischen Sömmerda.
»Wir müssen uns eingestehen: Wir haben die Kontrolle verloren«, klagt Jonathan Scheschkewitz vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. [...]
Für Deutschland fordert der studierte Archäologe Michael Heinzlmeier, der bei der Polizei als Hauptkommissar mit dem Thema befasst ist, den freien Handel mit Metallsonden einzuschränken. Sein Vorschlag: Leistungsstarke Detektoren dürften nur noch mit staatlicher Lizenz erworben werden, so wie es das Waffengesetz vorsieht. Rechtlich sei das möglich. Der Haken: Denkmalschutz ist Ländersache. Doch das Problem ist nur bundesweit lösbar, alle Regierungen müssten sich verständigen. Ein weiter Weg also durch die Instanzen. Der zu lang sein könnte, um im Boden die Reste von Deutschlands Kulturerbe zu retten. [...]"
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