Es gehört schon ein Minimum Einfühlung in andere Menschen dazu, dass einem der Sinn, den andere in etwas für sie selbst erkennen, ohne weiteres einleuchtet. Wir leben alle in Sinnbezügen, die sich im Laufe des Lebens eingestellt haben. Dass das für jede historische Zeit gilt und nicht nur für unsere, ist eine Erkenntnis, die der Historiker Ranke in den Satz gefasst hat: "Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott."
Dem wurde nicht nur von denen widersprochen, die deshalb, weil sie nicht an einen Gott glauben, die metaphorische Bedeutung des Begriffs "Gott" in diesem Zusammenhang nicht erkannt haben.
Dass für die meisten von uns heute die Wissenschaften die Funktion erfüllen, die zu anderen Zeiten von einem Gott bzw. von Göttern erfüllt wurden, ist aber selbst nicht für jeden selbstverständlich, der über die Vorläufigkeit und Eingeschränktheit wissenschaftlicher Erkenntnis weiß.
Olaf Scholz hat mit dem Wort Zeitenwende ansprechen wollen, dass mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine eine neue Epoche im Rankschen Sinn angebrochen sei. Auch ein überzeugter Pazifist, werde seitdem in diesem Zusammenhang anders denken. Das gilt aber nicht für den, der nicht anerkennt, dass eine neue Epoche angebrochen sei.
Viele Worte für etwas, was theoretisch jedem sofort einleuchten müsste, der verstanden hat, was Geschichte ist. Aber bis zum 19. Jahrhundert hat es in Europa niemandem eingeleuchtet. Und natürlich galt diese Aussage daher früher eben nicht.
Für uns gilt heute das Konzept Menschenrechte allgemein, aber im Sinne asiatischer Philosophie nicht. Der Universalismus bei gleichzeitiger Anerkennung der Tatsache, dass er für andere nicht gilt, ist ein komplexes Problem.
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